Noah denkt™  -
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Lang lebe die deutsch-französische Freundschaft!
Dialog mit dem Alter Ego über den Merkel-Sarkozy/Euro-Gipfel vom 16.08, erstellt und veröffentlicht am
18.08.2011
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Auf dem deutsch-französischen Gipfeltreffen vom 16.08 haben sich
Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy darauf verständigt, die Koordinierung der bilateralen Wirtschafts- und
Finanzpolitik weiter voranzutreiben, um so den Einstieg in eine gemeinsamen europäischen Wirtschaftsregierung
zu finden. Was hält Noah denkt™ von den Ergebnissen dieses Gipfeltreffens?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Die Pressekonferenz, die Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy vorgestern im
Anschluss an ihre Unterredung gegeben haben, hat uns begeistert.
Wir fühlen uns in unserer grundsätzlichen
Einschätzung über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung bestätigt, und wir freuen uns, dass
wir nun diesem Ziel einen gehörigen Schritt näher gekommen sind.

AE: Die Märkte, die politische Opposition u.a. haben allerdings skeptisch auf diese Abschlusserklärung reagiert.
Denen einen, nämlich war sie nicht konkret genug (Stichwort: keine
Einführung von Euro-Bonds und keine
Aufstockung des
EURO-Rettungsfonds), den anderen ging die vereinbarte Kooperation nicht weit genug, und
wieder andere
zweifeln grundsätzlich an der Möglichkeit, die unterschiedliche Kulturen des EURO-Raums in einer
Währung vereinen zu können. Wieso ist Noah denkt™ trotz all dieser Bedenken dennoch „begeistert“ von den
Ergebnissen dieses deutsch-französischen Gipfels?
Nd: Grundsätzlich freuen wir uns darüber, dass die Regierung beider Länder ihren Wunsch zur weiteren
Konversion beider Nationen so eindrücklich untermauert haben. Was die Reaktion der Kommentatoren angeht,
so glauben wir, dass hier die historische Bedeutung der eingeleiteten Schritte falsch eingeschätzt wird, und dass
man mithin auch mit zuviel Kleingläubigkeit an die Beurteilung der in Rede stehenden Vorgänge geht.

AE: Aber haben die Kritiker nicht Recht, wenn sie mit Blick auf die EURO-Schuldenkrise meinen, dass man sich in
dieser Situation, wo das Haus bereits in Flammen stehe, nicht mehr lange über den angemessene
Rettungsmethode auseinandersetzen könne?
Nd: Sicher sind wir bezüglich der
Schulden- und EURO-Frage aktuell in einer sehr kritischen Situation. Aber wir
sollten deshalb nicht vergessen, dass die Stärke der Demokratie gerade darin besteht, sich Schritt für Schritt an
das Kernproblem heranzuwurschteln, um dann in letzter Sekunde den bestmöglichen Befreiungsweg finden und
schaffen zu können. Mit anderen Worten, wir teilen nicht die Auffassung derjenigen, die meinen, dass das beste
Regierungshandeln darin besteht, eine Sache so schnell, wie möglich, übers Knie zu brechen. Denn solche
Federstrichentscheidungen sind im Allgemeinen nicht lange genug vorbreitet, und sie haben die jeweilige
Bevölkerung nicht genug von der Notwendigkeit des in Rede stehenden Handelns überzeugt. Das heißt, wir
sollten gerade in Grundsatzfragen nicht den Fehler machen, das Opfer unserer eigenen, schwachen Nerven zu
werden. Denn, wenn eine so schwierige Operation, wie die Etablierung einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung
gelingen soll, dann muss die Entscheidung dafür genau im richtigen Moment, also nicht zu früh, und nicht zu spät,
getroffen werden. Und in der Tat gibt es keine bessere Methode, um diesen bestmöglichen Zeitpunkt zu finden,
als auf die Kompetenz zu vertrauen, welche sich im chaotischen Hin und Her der Partikular- und
Allgemeininteressen einer offenen und demokratischen Gesellschaft frei entfalten kann.

AE: Noah denkt™ ist aber sehr optimistisch hier!
Nd: Wir haben keine andere Wahl, als optimistisch zu sein.  Denn, dass die EURO-Krise am Ende so gelöst
werden muss, dass die deutsch-französische Freundschaft keinen Schaden nimmt, das ist für jemanden, der
seinen Wohnsitz nicht weit von den Schlachtfeldern Verduns, den Schauplätzen des Sichelschnitts, der
Ardennenoffensive und der Allerseelenschlacht hat, evident. Nein, wer dem tragischen Karma gerecht werden
will, welches über der westlichen Grenzregion liegt, der kann nicht anders, als für Europa und den EURO zu sein.
Denn welchen anderen Sinn könnte der Blutzoll, der hier über die Jahrhunderte entrichtet worden ist, haben, als
den, nun alles dafür zu tun, dass selbiges sich nicht mehr wiederholen kann.

AE: Nun gibt’s ja den einen, oder anderen, der meint, dass gerade der Zwang zur Einheit die Grundlage für neue
transnationale Zwistigkeiten sein wird. Immerhin ist es ja wirklich so, dass man die verschiedenen Kulturen in
Europa kaum unter ein Dach bringen kann. Wäre es deshalb nicht besser, jetzt nicht in einer Einigungshysterie
die Nerven zu verlieren, sondern stattdessen die internationale Verschiedenheit ehrlich makelnd zu managen?
Nd: Na, ja, es ist schon einmal versucht worden, die Verschiedenheit in Europa in der Unterschiedlichkeit ehrlich
makelnd zu managen. Das hat sich seinerzeit aber nicht als dauerhaft tragfähig erwiesen. Am Ende ist das ganze
Konstrukt im Ersten Weltkrieg untergegangen.

AE: Allerdings sind wir heute gut hundert Jahre weiter. Heute sind nicht nur die Demokratien in Europa weiter
gefestigt, nein, auch der nukleare Schutzschild macht einen Krieg in Europa kaum denkbar. Mit anderen Worten,
die Gefahr, dass ein Irrer die delikate Balance zwischen europäischen Nationen zerstören könnte, besteht recht
eigentlich nicht. Wäre es daher nicht besser, wieder zur alten Währungsschlange zurückzukehren?
Nd: Ein solcher Schritt wäre nur möglich, wenn er im totalen und absoluten Konsens der Regierungen geschähe.
Ansonsten würde ein solches Vorgehen nur böses Blut erzeugen, welches dann irgendwo wieder neue Probleme
schaffen würde.  Nein, wir halten eine Rückkehr zur Währungsschlange für weniger zweckdienlich, als der
Fortschritt in eine gemeinsame Wirtschaftsregierung. Allerdings sehen wir ein, dass die Diskussion für und wider
diesen, oder jenen Weg bis zum letztmöglichen Zeitpunkt geführt werden muss, damit am Ende auch die
bestmögliche Lösung gefunden werden kann.

AE: Wir bleiben also dabei.
Wir vertrauen auf den wurschtelnden und langsamen Meinungs- und
Willensbildungsprozess der Politik, auch wenn die Finanzmärkte die dazu notwendige Geduld nur schwer
aufbringen können.
Nd: So ist es. Die Finanzmärkte sind ein notwendiger und wichtiger Teil der Diskussion. Und sicher werden sie die
Entscheidungsfindung auch beschleunigen. Aber die Nerven, um den richtigen Zeitpunkt, für diese und jene
Weichenstellung zu finden, die muss die Politik haben. Und sie wird diese Nerven haben. Darauf kann sich unser
Alter Ego verlassen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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