Noah denkt™  -
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Die Probleme einer transatlantischen Betrachtung
Zur Kritik am EURO-Rettungsschirm, erster Entwurf erstellt am 18.05., veröffentlicht am 19.05.2010
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Es ist kein Geheimnis, dass die meisten angloamerikanischen Finanzexperten, deren Urteilskraft wir in der Regel
schätzen (wie etwa die von Jim Bogle, dem Gründer von  Vanguard Investments),
es im Gegensatz zu uns als
falsch erachten, dass der EURO jetzt mit einem €750 Millarden-Rettungsschirm geschützt wird.  Und es ebenfalls
kein Geheimnis, dass
Noah denkt™ im Jahre 2008 den US-amerikanischen Bankenrettungsplans ($800 Mrd.) mit
denselben Argumenten abgelehnt hat, die nun von der angloamerikanischen Finanzindustrie ins Feld geführt
werden, um den EURO-Stützaktion als Fehler zu denunzieren. So stellt sich also die Frage, warum dieselben
Experten
eine antizyklische Regierungsintervention dann angemessen finden, wenn diese in ihrem Heimatmarkt
stattfindet, selbige aber in Bausch und Bogen ablehnen, wenn sie anderswo zur Stabilisierung eingesetzt wird.
Und wahrscheinlich kann darauf nur eine Antwort geben, nämlich die, dass auch dem kritischsten Betrachter die
Jacke näher ist, als die Hose.

Mit anderen Worten, es scheint also doch so zu sein, dass die Meinungsbildung der Analysten erheblich durch
die jeweilige geographische Distanz beeinflusst wird, die sie im Einzelfall zum Untersuchungsgegenstand haben.  
Und so wird man also die These nicht von der Hand weisen können, wonach es dem entfernten Betrachter wohl
doch an der Unmittelbarkeit fehlt, um die volle Vernunft einer Dringlichkeit angemessen erfassen zu können.

Nun könnte diese Erkenntnis natürlich dazu führen, dass wir unser früheres Urteil hinsichtlich der Richtigkeit des
TARP-Programmes revidieren müssen. Dies werden wir aber an dieser Stelle nicht tun, sondern weiter auf
unserer These beharren, dass es im Land der Freien (also in den USA) viel eher möglich ist, den
Keynesianismus zu überwinden, als dies im Restfeudalen Europa denkbar ist. Anders formuliert, wir halten die
marktorthodoxen Thesen der amerikanischen EURO-Kritiker nicht für stichhaltig, weil diese nicht die Heuchelei in
vollem Maße durchdrungen haben, die ihrem eigenen Urteil zu Grunde liegt.

Was aber die Anmerkungen der europäischen EURO-Rettungskritiker angeht (z.B. Prof. Homburg, Prof. Baring),
so wird man ihnen in Erinnerung rufen müssen,
dass eine Umschuldung Griechenlands nicht zu einem Abbruch
der Anti-EURO-Spekulation geführt hätte. Vielmehr wäre es dann zu einer weiteren Verteuerung der Zinslast
gekommen, die Länder wie Portugal und Spanien zu entrichten gehabt hätten. Und so wäre es in diesem Fall
denn auch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ein anderer, ähnlich gelagerter Rettungsschirm hätte
aufgezogen werden müssen.

Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird erkennen müssen, dass die derzeitige griechische
Demokratie viel zu jung ist, als dass man sie nun im Regen hätte stehen lassen können. Und so wird man sich
einen harten Buchhaltungskurs in diesem Fall auch nicht so ohne weiteres erlauben können. Denn zu sehr ist es
dem Europa-Projekt doch von Anfang an um den Zusammenhalt gegangen, als dass man diesen jetzt mal eben
so wird aufkündigen können.

Vielmehr wird man nun darauf setzen müssen, dass in den kommenden Jahren, wenn sich die Märkt wieder
beruhigt haben, das Notwendige geschieht (etwa ein Maastricht II mit der Möglichkeit einer Ausschlussklausel),
um die strukturellen Probleme zu beheben, die bei der EURO-Einführung leichtfertig übergangen worden sind.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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