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Warum es letztlich im ureigenen deutschen Interesse ist, einen gewissen Teil der nationalen Euro-
Eine nicht-keynesianische Antwort auf Thilo Sarrazin, erstellt und veröffentlicht am 22.05.2012
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    Die Linke in unserem Land ist „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und
    Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt
    haben“  
    Thilo Sarrazin, Europa braucht den Euro nicht


Aus deutschnationalen Kreisen wird immer wieder darauf beharrt, dass es auch in heftigen Ausnahmesituationen,
wie der gegenwärtigen Nah-Tod-Erfahrung des Euros, ausgeschlossen sein soll, dass nationale Euro-Schulden
vergemeinschaftet werden. (Stichwort
Eurobonds). Diese Grundsatzposition aber ist selbst aus nicht-
keynesianischer Sicht falsch. Denn es gibt mindestens sechs klar zu beschreibenden Gründe, die eine
freigiebigere, deutsche Politik angeraten erscheinen lassen.  Diese sechs Gründe lauten wie folgt:

  • Erstens, es ist einfach kurzsichtig, zu glauben, dass Deutschland nicht das Opfer einer singulären
    Blasenbildung werden kann, aus deren Verwerfungen es sich nur mit Hilfe anderer Staaten wird befreien
    können. Denn gegen das zeitweise Auftauchen großer, massenhysterischer Verirrungen ist niemand gefeit.
    Es ist daher nicht in deutschem Interesse, sich angesichts etwa der spanischen Immobilienblase aufs hohe
    Ross zu setzen, und hier von regional bedingter und regional zu lösender Misswirtschaft zu sprechen.

  • Zweitens kann niemand bestreiten, dass die Verschuldungspolitik in Südeuropa auch etwas mit einem
    niedrigen EZB-Zinsniveau zu tun hatte, welches für die Konjunktur in Deutschland und Frankreich
    seinerzeit wohl angemessen war, den weniger rezessiven Bedingungen in Spanien, Portugal Irland etc..
    aber nicht gerecht werden konnte. Mit anderen Worten, es gibt durchaus eine Mitverantwortung
    Deutschlands daran, dass es für manche Länder und Banken so leicht war, sich mittels Verschuldung zu
    finanzieren.

  • Drittens, auch der Umstand, dass Deutschland und Frankreich zu den ersten gehörten, welche die
    Maastricht Kriterien gebrochen haben, beschreibt einen nicht geringen Teil der deutschen
    Mitverantwortung an der südeuropäischen Verschuldungspolitik. Denn diese seinerzeit vielleicht
    begründete Undiszipliniertheit der EU-Schwergewichte führte natürlich dazu, dass auch in der Brüsseler EU-
    Kommission der politische Wille verloren ging, energisch gegen die Misswirtschaft anderswo vorzugehen.

  • Viertens, wahrscheinlich stimmt auch die These, dass die deutsche Exportwirtschaft nicht wenig vom
    Schuldenboom anderswo profitiert hat. Denn auch in dieser Frage wird sich zeigen, dass man das
    Verhalten der einen, nicht künstlich von dem, der anderen trennen kann. Denn auch bedingt man sich bis
    zu einem gewissen Grade gegenseitig. Und so ist es denn auch hier, wo man sich nicht einfach aus dem
    Bild hinweg definieren kann.

  • Fünftens aber, ist es komplett ungeschickt und falsch, so zu tun, als gäbe es für Deutschland keine
    diplomatische PR-Notwendigkeit, sich den europäischen Nachbarn gegenüber generös und verständnisvoll
    zu zeigen. Denn diese PR-Notwenigkeit besteht nicht nur deshalb, weil Deutschland nach wie vor für die
    Verbrechen der Nazi-Diktatur Buße tun muss. Nein, diese Notwendigkeit zur kooperativen Charmeoffensive
    besteht auch und gerade deshalb, weil die Existenz Großdeutschlands von Anbeginn an, also von 1871,
    bei den anderen nur widerwillig zur Kenntnis genommen wurde. Und so ist es denn bis heute eine offene
    Frage, wie dieses Deutschland seinen ihm gebührenden Platz in dieser Welt finden kann, ohne dabei
    Unfrieden und Zwietracht zu stiften. Wer aber eine Politik führen will, welche die subkutanen Vorbehalte
    gegen unser Land ignorieren, und dadurch sogar noch befeuern will, der tut unserem Land einen
    Bärendienst. Denn davon, dass deutsche Produkte im Ausland gern gesehen sind, davon profitieren am
    Ende auch die Deutschnationalen.

© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

EURO-Bonds, EURO-Anleihen, europaeische Finanzregierung, Vergemeinschaftung
nationaler Euro-Schulden, Einfuehrung von EURO-Bonds, Holocaust und Euro-Bonds, deutsche Geschichte und
Euro-Bonds, Souveraenitaetsabtretung im EURO-Raum,
Abtretung von nationaler Souveränität im
EURO-Raum