Noah denkt™ - Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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80% konjunkturell, 20% strukturell
F&A zwischen Noah denkt™ und sein Alter Ego über den gegenwärtigen Erfolg der deutschen
Wirtschaft, erster Entwurf erstellt am 19.05., veröffentlicht am 29.05.08
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Wie sieht Noah denkt™ den gegenwärtigen Erfolg der deutschen
Wirtschaft?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Es schon überraschend, das trotz hohem Euro-Kurs solche guten Zahlen
geschrieben werden.
AE: Zeigt das nicht, dass die früher von Noah denkt™ formulierte „Doom- und Gloom“-Prognose, wonach
hierzulande die Demokratie in Gefahr sei, wenn man sich nicht bald eines kapitalistischen Existenzialismus
besinne (siehe „Businessplan Existenzphilosoph“), falsch ist?
Nd: Erstens, ist im Businessplan nicht von einer kurzfristigen, sondern einer mittelfristigen Notwendigkeit die
Rede, sich einem kapitalistischen Existenzialismus zu verschreiben. Und zweitens wird man nach ein paar
erstaunlich guten Zahlen noch nicht das Ende aller Nöte ausrufen können.
AE: Noah denkt™ ist also nicht davon überzeugt, dass die gegenwärtige Entwicklung beweist, dass man auch mit
einem technokratischen Perfektionismus im Turbowettbewerb bestehen kann?
Nd: Richtig. Noah denkt™ glaubt weiterhin, dass es mittel- und langfristig nicht möglich sein wird, gerade den
deutschen Rechtsstaat im Turbowettbewerb zu erhalten, wenn man dabei prinzipiell auf eine konstruktive
Ausbeutung der eigenen (beinahe) selbstzerstörerischen Neigungen verzichten will.
AE: Und warum ist das so?
Nd: Weil ohne diese konstruktive Ausbeutung der eigenen Beinahesuizuidalität keine Bahn brechenden
Innovationen gelingen können. Und weil ohne diese Bahn brechenden Neuerungen der Sozialstaat nicht finanziert
werden kann.
AE: Nun mag es ja sein, dass der Sozialstaat nicht aufrecht zu erhalten ist. Dies wird aber nicht bedeuten
müssen, dass mithin auch die Demokratie hierzulande in Gefahr kommen muss.
Nd. Aus unserer Sicht wird es genau dies bedeuten müssen.
AE: Warum?
Nd: Weil die Demokratie in Deutschland nur durchgesetzt werden konnte, weil man sie bewusst als einen
Mittelweg zwischen den System des Kapitalismus und des Kommunismus konzipiert hat. Und so wird man an
diesem Gründungskonsens auch nicht rütteln können, ohne dabei das Ganze in Frage zu stellen.
AE: Aber ist es nicht utopisch, zu glauben, man könnte den Sozialstaat im Turbowettbewerb weiter erhalten?
Nd: Mit unserer Philosophie nicht!
AE: Warum?
Nd: Weil sich unsere Philosophie eben nicht darauf verlässt, nur im Üblichen das Beste zu leisten, sondern weil
unsere Philosophie auch gegenüber diesem Üblichen noch einen Schritt voraus sein will.
AE: Lassen wir es mal dahingestellt, inwieweit der kapitalistische Existenzialismus praktikabel ist. Dann bleibt
allerdings immer noch die Frage, warum sich Noah denkt™ von den gegenwärtig guten Zahlen nicht überzeugen
lassen will? Immerhin sind dieselben ja nicht nur in einem Turboumfeld erzielt worden, nein, obendrein ist es der
Wirtschaft auch gelungen, diese Erfolge dann zu erringen, wenn man andernorts bereits in einen
rezessionsähnlichen Zustand geraten ist.
Nd: Nun, die gegenwärtigen Zahlen überzeugen uns nicht, weil es sich bei ihnen nur um Quartalszahlen handelt,
und weil sich dahinter eine vorübergehende zyklische Konjunktureigenheit unseres Landes verbirgt.
AE: Was meint Noah denkt™ mit dem Hinweis auf eine zyklische Sonderkonjunktur?
Nd: Wir meinen, dass ein Grossteil des gegenwärtigen Erfolges der deutschen Wirtschaft nichts mit strukturellen
Veränderung zu tun hat, die die deutsche Wirtschaft noch wettbewerbsfähiger gemacht hätten, sondern dass es
vielmehr der Umstand ist, dass Deutschland derzeit einfach in Mode ist, der diese Zahlen erklärt.
AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ glaubt, dass es vor allem psychologische Faktoren sind, die den
gegenwärtigen Erfolg auslösen?
Nd: Richtig, es handelt sich hier vor allem um einen veränderte internationale Wahrnehmung unseres Landes, die
durch einige Ereignisse herbei geführt worden ist.
AE: Und welches sind diese Ereignisse?
Nd. Nun wir meinen, dass sich die aktuelle Beliebtheit unseres Landes und seiner Produkte vor allem auf drei
Entwicklungen gründet: erstens, die mutige Haltung der deutschen Politik in Sachen Irak, zweitens der
erstaunliche Begeisterungstaumel, der während der WM in unserem Land geherrscht hat, und drittens, die hohen
Sympathiewerte die Bundeskanzlerin Merkel mit ihrer Art im Ausland erzielen kann. Das alles hat ein Bild von
einem freundlichen, liebenswerten und eigenständigem Deutschland erzeugt. Und so ist es denn auch deshalb,
dass man mit uns jetzt möglichst viel zu tun haben will. Denn zu eskapadenfrei hat sich unser Land zuletzt
präsentiert, als dass man es dafür jetzt nicht auch honorieren will.
AE: Und von der These, dass die deutsche Wirtschaft einfach ihre Hausaufgaben gemacht hätte, und gerade
deshalb besser dastände, hält Noah denkt™ nichts? Immerhin ist es doch so, dass man sich auf dem Markt nicht
zuerst nach Sympathie, sondern vor allem nach dem Preis orientiert. Und so wird man doch mit einem guten
Image, noch gar nicht allzu viel erreichen können. Denn zu nüchtern wird hier doch kalkuliert, als dass man sich
jetzt noch auf ein psychologisches Erklärungsmuster wird stützen können.
Nd: Wenn es so wäre, und es im Markt tatsächlich so nüchtern zuginge, wie dies von einigen so gern behauptet
wird, dann würden sich die Unternehmen doch all die aufwendigen Imagekampagnen sparen können, mit denen
sie ihre Bilanz nicht wenig belasten. - Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird sehen müssen,
dass es zwar die eine oder andere technokratische Verbesserung gegeben hat, die Deutschland im Moment zu
Gute kommt, dass diese aber nicht so massiv sind, dass man hier von einem Durchbruch würde reden können.
Denn zu sehr hat man auch andernorts begriffen, dass man die Kosten (etwa mit Betriebsverlagerungen) senken
kann, als dass man damit jetzt noch den gegenwärtigen deutschen Erfolg wird erklären können.
AE: Dennoch gibt Noah denkt™ doch zu, dass es schon die eine oder andere technokratische Reform gegeben
hat, die die deutsche Wirtschaft jetzt besser dastehen lässt. .
Nd: Sicher. So sind wir z.B der Meinung, dass die Hartz-IV-Reformen hier und da was richtiges bewirkt haben.
Dass m dem Turbowettbewerb aber mit technokratischen Argumenten allein nicht beikommen kann, das hat auch
die Diskussion gezeigt, die sich um die Erhöhung der Mehrwertsteuer gerankt hat. Denn zu viele sind hier doch
der Meinung gewesen, dass man mit dem neuen 19%-Satz die Wirtschaft nur belasten wird, als dass man mit
einer solchen Zahlenlogik jetzt noch das Gegenteil wird beschreiben können.
AE: Okay, nehmen wir einmal an, dass es sich in der Tat um ein temporäres modisches Phänomen handelt, dass
die guten Zahlen der deutschen Wirtschaft jetzt erklären kann, dann wird dies doch bedeuten müssen, dass es
auch hierzulande bald wieder eher abwärts gehen wird?
Nd: Man wird schon davon ausgehen müssen, dass die Zahlen in nächster Zeit schwächer sein werden.
Allerdings ist es auch schwer, vorherzusagen, wie lange eine Modewelle dauern wird. Denn zu sehr hängt diese
doch von ihrem einem eigenen Lebenszyklus ab, als dass man diesen jetzt noch so ohne weiteres wird timen
können.
AE: Was also rät Noah denkt™ den Anlegern im Bezug auf Deutschland?
Nd. Darauf zu achten, wie intensiv unser Land international hochgejubelt wird. Denn, wenn es erst einmal so sein
wird, dass auch die Nachschwätzer nicht müde werden, das Beispiel Deutschland zu zitieren, dann wird man sich
sicher sein können, dass der Zeitpunkt nicht mehr fern sein wird, wo die gegenwärtige Euphorie in ihr Gegenteil
umschlagen wird. Denn zu sehr wird man sich dann am ewig Selben satt gesehen haben, als dass man damit jetzt
nicht auch sein Gegenstück bewirken wird.
AE: Und woran erkenne ich, wer ein Nachschwätzer ist?
Nd: Am Erscheinungsbild des Betreffenden, also am Zeitpunkt seines Erscheinen, an der Art seiner
Körpersprache, und der Form seiner Verpackung.
AE: Womit wir wieder bei der Psychologie wären?
Nd. So ist das.
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