Noah denkt™  -
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Der Unternehmer, das unbekannte Wesen
Dialog mit dem Alter Ego über die endlose Opel-Saga, erster Entwurf erstellt am 05.11.09,
veröffentlicht am 06.11.09
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Was hält Noah denkt™ von der Entscheidung GMs, Opel nun doch
nicht zu verkaufen?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Na ja, dass sich die Verhandlungen über den Verkauf solange hingezogen
haben, ließ bereits vermuten, dass man hier für alle Überraschungen offen sein muss.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ meint, dass es ein Fehler der Kanzlerin und der betreffenden
Ministerpräsidenten gewesen ist, die Magna-Lösung bereits als eingetütet zu verkaufen?
Nd: Es überrascht uns schon, dass man im Kanzleramt, so scheint es, nicht gewusst hat, dass man sich bei US-
amerikanischen Verhandlungspartnern nicht unbedingt auf eine mündlich gegebene Zusage verlassen kann.

AE: Haben wir es also hier mit einem nicht adäquat verarbeiteten „Clash of Cultures“ zu tun?
Nd: So kann man das sagen

AE: Glaubt Noah denk™, dass die jetzt getroffene Entscheidung GMs die beste und mithin tragfähigste Lösung
für die Marke Opel darstellt?
Nd: Sie scheint uns nicht besser und nicht schlechter zu sein, als die Magna-Lösung.

AE: Nun gibt es ja allerhand Automobilexperten, die monieren, dass bis dato noch kein schlüssiges Konzept von
GM für das zukünftige Management von Opel vorgelegt worden ist. Und da GM ja in 80 Jahren nicht bewiesen
hat, dass es Opel angemessen managen kann, da wird man sich doch jetzt mit den Gewerkschaften solidarisieren
und die Forderung vertreten müssen, dass es besser wäre, die Abhängigkeit von Detroit ein für allemal zu
überwinden.
Nd: Das ist eine nicht unbegründete Position. Allerdings sind wir uns auch keineswegs sicher, ob denn die Dinge
für Opel besser gelaufen wären, wenn es zu einem Verkauf an die Magna-Gruppe gekommen wäre.

AE: Na immerhin hat das Magna-Konsortium sich ja im Gegensatz zu GM die Mühe gemacht, ein
zustimmungsfähiges Zukunftskonzept zu erarbeiten. Denn sonst hätte sich die Regierung ja nicht für das eine und
gegen das andere Angebot aussprechen können.
Nd: Ach ja, mit den Konzepten ist das so eine Sache. Was am Ende darüber entscheidet, ob eine
unternehmerische Tätigkeit erfolgreich ist oder nicht, ist nicht das Papier, was im Vorhinein diesbezüglich voll
geschrieben wird, sondern es ist die praktische, unternehmerische Kunst, also das spekulative Gespür, das sich
im Alltag immer wieder neu beweisen muss.

AE: Aber man muss doch einen Plan oder eine Strategie haben, die man auch formulieren kann, um einen
Riesenkonzern in die richtige Richtung steuern zu können.
Nd: Sicher. Aber wir bezweifeln, dass die Richtigkeit dieses unternehmerischen Plans von Leuten angemessen
beurteilt werden kann, die als Berufsakademiker, Berufspolitiker oder Berufskapitalisten alles tun, um sich diesem
unternehmerischen Selbstständigkeitsrisiko selbst nicht stellen zu müssen.

AE: Damit sind wir ja wieder bei
unserem Hauptthema.
Nd: So ist das. Leider ist es nämlich in unserer Welt nach wie vor so, dass es zur Selbstverständlichkeit geworden
ist, über das Unternehmertum zu reden, und von ihm dies und das zu erwarten, ohne dass man sich selbst an
diesem Unternehmersein auch im Entferntesten versuchen würde. Damit aber kommt eine strukturelle
Unaufrichtigkeit in die Debatte, die nicht nur eine massive Vergeudung von Ressourcen nach sich zieht, sondern
die auch Menschen unvermeidlich in der Abhängigkeit hält.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ glaubt, dass ein Scheitern von Opel gar nicht so schlimm sein müsste,
wenn es mehr Meinungsführer gäbe, die sich ehrlich am Unternehmersein versuchen würden?
Nd: Ja.

AE: Aber warum soll das so sein?
Nd: Na ja, weil wir dann eine Gesellschaft hätten, in der es mehr darum geht, was einer kann, als darum, wie
schön sich einer präsentieren kann. Und so würde es in dieser Gesellschaft dann auch eine höhere
wirtschaftliche Dynamik geben, die es dem Einzelnen leichter machen würde, sich neu zu erfinden. Denn zu sehr
würde ihm nun der Glaube an die Machbarkeit der Freiheit vorgelebt, als dass er von dieser Hoffnung jetzt nicht
auch auf Dauer profitieren kann.  

AE: Nun bedeutet ja der Umstand, dass einer an das Machbare der Freiheit glaubt, nicht sogleich, dass er das
angestrebte Ziel dann auch erreichen wird. Wird man daher nicht zu dem Ergebnis kommen müssen, dass es nur
vernünftig ist, wenn man sich der Freiheit und der Selbstständigkeit nur vorsichtig, um nicht zu sagen widerwillig,
nähert?
Nd: Dem ist entgegen zu halten, dass ein Scheitern in der Angst vor der Freiheit schlussendlich viel verheerender
sein wird, als es die Niederlage jemals sein kann, die vom Glauben an die Machbarkeit der Freiheit beseelt ist.

AE: Was Noah denkt™ also will, ist ein Glauben um des Glaubens willen?
Nd: Was Noah denkt™ vor allem will, ist begreiflich zu machen, dass es vernünftiger ist, mit fliegenden Fahnen
unterzugehen, als im eigenen Gejammer zu versauern.

AE: Nun ist es ja keineswegs so, dass es unser Land im eigenen Gejammer versauert oder gar einem vor Angst
erstarrten Untergang entgegen gehen würde. Im Gegenteil, es geht uns doch noch allen sehr gut.
Nd: Und das nicht zuletzt deshalb, weil wir in erheblichem Maße auf Pump leben, und es nach wie vor nicht
wahrhaben wollen, dass unser Sozialstaat gar nicht ohne weiteres finanzierbar bleibt.   

AE: Aber es gibt doch nach wie vor große Reichtümer in unseren Breiten, die nur besser verteilt werden müssten?
Nd: Unser Alter Ego glaubt also tatsächlich, dass man mit noch mehr zentralstaatlichen Verwaltungsakten im
Turbowettbewerb bestehen kann?

AE: Warum nicht?
Nd: Weil auf diese Weise eher der Mangel gemanagt wird, als dass man sich neue, tragfähigere Horizonte
erschließen kann.   

AE: Sorry, aber wir drehen uns hier im Kreis: Denn natürlich wird das Gegenargument zu dem eben Gesagten
lauten müssen, dass es doch keineswegs klar ist, dass es diese neuen, tragfähigeren Horizonte überhaupt gibt.
Nd: Mag sein, aber am Ende ist es genau dieser Mut zum Angreifen des Ungewissen, der uns, den mutigen und
zuversichtlichen Unternehmer von dir, unserem zaudernden und zögerlichen Alter Ego unterscheidet.

AE: Und so ist dies wohl auch der Grund, warum unser aktueller Dialog mit dem Titel überschrieben ist: „Der
Unternehmer, das unbekannte Wesen“.
Nd: Genau so ist das.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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