Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Mehr Kapitalismus wagen
Dialog über Friedrich Merz zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego, erster Entwurf erstellt am
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Abstract: Das Problem des Kapitalismus ist, dass zu viele ihm das Wort reden, die selber gar keine wirklichen
Kapitalisten (sprich: gewerblichen Unternehmerpioniere) sind.

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Was hält Noah denkt™ vom CDU-Finanz- und Wirtschaftsexperten
Friedrich Merz?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Du meinst, was wir von seinem neuen Buch „Mehr Kapitalismus wagen“ halten?

AE: Genau!
Nd: Nun wir haben es bis dato noch nicht gelesen. Und mithin können wir dazu auch noch nichts sagen.

AE: Aber Friedrich Merz ist doch auf der nationalen Ebene seit 20 Jahren präsent. Da wird man doch das eine
oder andere über ihn bemerken können?
Nd: Das stimmt. Es ist in der Tat so, dass es keinen Mangel an Gelegenheit gibt, sich über Herrn Merz ein
eigenes, medial vermitteltes Urteil zu bilden.

AE: Nun denn! Was also wäre das Urteil, das sich Noah denkt™ diesbezüglich über Herrn Merz geschaffen hat?
Nd. Na, ja mit dem, was er sagt, wird man sich bisweilen, ja durchaus anfreunden können. Das Problem aber ist,
das, was er verkörpert. Denn auch er steht schlussendlich für einen korporativen Angestelltenkapitalismus,
welcher den realen Bedürfnissen unseres demokratischen Turbowettbewerbs nicht mehr gerecht werden kann.

AE: Was meint Noah denkt™ damit?
Nd: Nun, auch er glaubt ja, dass man von anderen mehr selbstständige Privatinitiative und -verantwortung
verlangen kann, ohne dabei selbst diese Selbstständigkeit in vollem Maße angestrebt zu haben. Damit aber, in
dem er dieses tut, da wird er der Vorbildfunktion nicht mehr erfüllen können, die man von ihm recht eigentlich
erwarten muss. Und so wird man sich seinen Thesen in diesem Fall auch nicht mehr länger öffnen können. Denn
zu wohlfeil kommen diese Proklamationen nun daher, als dass man sie jetzt noch als belastbar wird erachten
können.

AE: Noah denkt™ ist also der Auffassung, dass es nicht reicht, Partner einer privaten Anwaltskanzlei zu sein, um
eine größere, allgemeine Selbstständigkeitserwartung überzeugend politisch propagieren zu können?
Nd: Richtig. Denn natürlich hat der Herr Merz in diesem Fall doch nur seine bereits bestehende politische
Prominenz ausgenützt, um sich darauf in ein von anderen geschaffenes Kanzleinest legen zu können. Und so
wird er auf diese Weise auch nicht das gewerbliche Pionier- und Unternehmerrisiko verkörpern können, dass
seinem eigenen Freiheitsgebot innewohnt. Denn zu wenig hat er den Nichtprominenten nun gezeigt, dass man
auch aus dem Unbekannten einen selbstständigen Erfolg erzielen kann, als dass diese Nichtarrivierten jetzt noch
an ihre Durchbruchschance werden glauben wollen.

AE: Nun ist es ja nicht so, dass der Herr Merz von diesen Nichtarrivierten gleich erwarten würde, dass sie sich
zum selbstständigen Unternehmer machen. Vielmehr geht es ihm doch darum, dass sie einen größeren
unabhängigen Beitrag zur eigenen Daseinsvorsorge leisten. Und so wird man doch von ihm gar nicht diese Super-
Freiheitsverkörperung erwarten müssen, die Noah denkt™ hier in den Raum stellt. Denn zu wenig ist es ihm um
diese Totalfreiheit doch gegangen, als dass man ihm deren Nichterlangen jetzt noch wird vorwerfen können.
Nd: Na ja, wenn es so ist, wie hier gesagt, und Herr Merz lediglich Änderungen im Steuer- und Abgabensystem im
Sinne hat, dann wird man ihm im Gegenzug ankreiden müssen, dass er weder die volkswirtschaftliche
Wettbewerbsdynamik, noch die kapitalistische  Unabhängigkeitslogik zu Ende gedacht hat, die dem Begriff der
Freiheit innewohnen. Und so wird man ihm in diesem Falle denn auch sagen müssen, dass er für diese Freiheit
gar nicht wirklich reden kann. Der zu wenig hat deren Postulate doch in letzter Konsequenz durchdekliniert, als
dass er diese Relevanz jetzt noch richtig wird erläutern können.

AE: Mit anderen Worten, man wird es drehen und wenden können, wie man will, der Herr Merz kann Noah denkt™
so oder so nicht überzeugen.
Nd: So ungefähr ist das.   

AE: Aber warum muss man denn mit ihm so streng sein?
Nd: Weil das, was er vom Durchschnittsbürger erwartet, vor allem eine Mutprobe ist. Und so wird man doch
gerade von dem, der dies verlangt, auch ehrlich nun erwarten müssen, dass er in diesem Zusammenhang
beispielhaft voranschreitet. Denn zu existentiell ist die Angstüberwindung, die hier im Raume steht, als dass man
diese jetzt noch ohne den eigenen Beweis der Machbarkeit anderen wird anraten können.  

AE: Wie könnte denn der Herr Merz, seinen eigenen Thesen jetzt noch, da er das Prominentsein schon erreicht
hat, gerecht werden?
Nd: Nun er könnte zu Beispiel einen eigenen Hedgefonds gründen, und darin den Nachweis erbringen, dass er
mit seiner analytischen Kompetenz besser Wertentwicklungen prognostizieren kann, als dies die Konkurrenz
vermag.

AE: Das ist unrealistisch, weil er keine Ausbildung vorweisen kann, die es ihm erlauben würde, eine
Anlegerberatungslizenz zu bekommen.
Nd: Gut, wenn das nicht geht, dann hätte er sich wenigstens dazu durchringen sollen, seine eigene
Anwaltskanzlei zu eröffnen, anstatt bei einem bereits bestehenden Unternehmen unter zu kriechen. Denn dann
hätte er sich ja immerhin an einer wirklichen Selbstständigkeit auch versucht.

AE: Okay, dann wäre er aber immer noch kein Pionier gewesen. Schließlich gibt es doch an Politikern, die sich in
der Juristerei versuchen, keinerlei Mangelware.
Nd: Es stimmt schon, dass die Entscheidung für ein Jurastudium nicht gerade den großen Innovator, Rebellen
oder Abenteurer erkennen lässt. Allerdings wird man auch nicht von einem Zwanzigjährigen erwarten dürfen,
dass er zu diesem Zeitpunkt bereits begriffen hat, worauf es wirklich ankommt.

AE: Mit anderen Worten, man wird auch einem sog. Vordenker, wie dem Herrn Merz, verzeihen müssen, wenn er
seine Karriere im Nichtavangardistischen, nämlich im Konformismus begonnen hat.
Nd: So ist das. Natürlich wird man, wenn man dieses sagt, auch im Hinterkopf behalten müssen, dass mit dieser
anfänglichen Angepasstheit, die den Betreffenden ins Jurastudium geführt hat, auch eine gewisse
Vorentscheidung der Gestalt getroffen ist, dass ein wahres Pioniersein für ihn nun kaum noch möglich ist. Denn
zu wenig hat sich unser Protagonist nun im Außenseiterdasein geübt, als dass er daraus jetzt noch das optimale
Kapital wird schlagen können.

AE: Das bedeutet also, dass man das Pioniersein letztlich von Anfang an üben muss, um damit auch zu recht zu
kommen.
Nd: Nun, wenigstens muss man sich von Anfang an der Wirklichkeit reiben, um darin dann auch das Unerkannte
und Neue entdecken zu können.

AE: Aber folgt daraus nicht auch, dass einer, wie der Herr Merz, niemals überzeugend für das Pioniersein und
mithin auch nicht für den Kapitalismus wird reden können?
Nd: Vielleicht.

AE: Ist das nicht zu hart?
Nd: Der Kapitalismus ist hart, wenigstens für seine ersten Repräsentanten. Da darf man sich nichts vormachen.

AE: Und ist das noch sozialverträglich?
Nd: Wenn sich diese ersten Repräsentanten freiwillig für diese Härte entschieden haben, dann wird man darin
keine Sittenwidrigkeit erkennen können.

AE: Auch dann nicht, wenn diese Freiwilligkeit die Betreffenden in die
(Beinahe-)Selbstzerstörung treiben sollte?
Nd: Auch dann nicht.

AE: Ob dies der Herr Merz auch so sieht?
Nd. Sicher nicht.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

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an Friedrich Merz
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Selbststaendigkeit,
falscher Kapitalistenbegriff