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Wer sind die besseren Weltverbesserer?
Weitere Anmerkungen zur ökonomischen Diskussion um Sparhaushalte, erster Entwurf erstellt am 02.08.
veröffentlicht am 03.08.2011
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Die Verabschiedung des aktuellen Sparhaushaltes in den USA hat erneut die Debatte um den Sinn solcher
Budgetkürzungen in Krisenzeiten angefeuert. Denn in dieser Diskussion stehen sich, wie immer in der
Volkswirtschaftslehre, Keynesianer und Marktliberale unversöhnlich gegenüber. Um aber zu erkennen, welche
von beiden Positionen in dieser Frage der Wahrheit am nächsten kommt, sollten wir erst einmal grob
zusammenfassen, was die Kernargumente der beiden Parteien aus unserer Sicht sind.

Beginnen wir mit den Ansichten der Keynesianer (u.a. Krugman, Stiglitz, z.T. „The Economist“, und fast alle
deutschen Ökonomen). Keynesianer gehen in der Regel davon aus, dass sich eine rezessive Konjunktur in
einem bestimmen Markt nur dann überwinden lässt, wenn mit niedrigen Zinsen und staatlicher Investitionspolitik
die Nachfrage in dem betreffenden Markt angestachelt wird. Dahinter steckt die Auffassung, dass die
Unternehmen in der Marktwirtschaft erst dann investieren, wenn sie eine begründete Aussicht darauf haben, mit
ihren Produkten im Markt auch Erfolg zu haben. Diese Aussicht ist aber für die Keynesianer gerade dann nicht
gegeben, wenn der Staat in einem ohnehin rezessiven Umfeld die Kaufkraft im Markt noch zusätzlich schröpft, in
dem er Sparbudgets verordnet.

Die Marktliberalen (Cato-Institut, Tea Party u.a.) hingegen meinen, dass Investitionen nicht zuerst und vor allem
deshalb getätigt werden, weil sie opportun sind, und mit einer umgehenden Gewinnerwartung verbunden sind,
sondern weil der, der investiert, von der Notwendigkeit seiner Investition überzeugt ist. Denn nur, wenn er von der
Richtigkeit seines Tuns beseelt ist, so die Marktliberalen, dann wird er auch die Scheu vor einer möglichen
Fehlentscheidung überwinden können. Und so wird er in diesem Fall denn auch die entsprechenden Gelder
freimachen, selbst wenn er sich davon erst mittelfristig eine Entlohnung versprechen kann.

Die Keynesianer allerdings meinen, dass das alles Träumerei sei. Denn aus ihrer Sicht sind es eben nicht
Pioniere und Abenteurer, die den Kern des Unternehmertums bzw. der Marktteilnehmer ausmachen, sondern es
sind in der Regel Angestellte, die Kinder haben, und die sich schon deshalb im Bezug auf ihre Entlohnung keine
Experimente leisten können. Mit anderen Worten, es kann aus Sicht der Keynesianer keinen Zweifel daran
geben, dass die Masse der Marktteilnehmer opportunistisch sein muss, wenn sie ihren Daseinsverpflichtungen
gerecht werden will. Und so werden die Krugmans dieser Welt denn auch nicht für eine Risikobereitschaft
votieren, die sich aus ihrer Sicht nur radikale Selbstverwirklicher erlauben können.

Marktliberale aber würden genau diesen Thesen entgegen halten,
dass es schon unter den Bedingungen des
modernen Keynesianismus immer mehr Singlehaushalte gibt, die eben keine weiteren Verpflichtungen für andere
übernehmen wollen. Und sie meinen daher, dass man jetzt nicht mehr mit den Kategorien der Vergangenheit
arbeiten könne, wenn man der Zukunft gerecht werden will. Denn die komplexen Herauforderungen einer
globalisierten, digitalisierten Welt seien nun einmal dergestalt, dass man sich dem Risiko der Freiheit stellen
müsse, wenn man dasselbe denn auch angemessen bewältigen wolle. Denn jede andere Herangehensweise, die
sich lieber im Schoße der Gemeinschaft verstecken will, als für das eigene wirtschaftliche Schutzbedürfnis selbst
gerade zu stehen, die werde gerade
diese Gemeinschaft so sehr überfordern, dass selbige ihre Kreditwürdigkeit
am Ende verlieren muss.

Wir sehen also, dass man den oben dargestellten Konflikt analog des Gegensatzes zwischen Business School-
Logik und Self-Made-Unternehmer darstellen kann. Denn während die einen, also die Business School
Absolventen, lieber eine Focus-Group-Studie in Auftrag geben, um etwaige Absatzmöglichkeiten abzuschätzen,
werden unsere Self-Made-Unternehmer eher auf ihren Instinkt, als auf die Statistik bauen, wenn sie ihre
Risikoabwägung treffen. Die Frage, die wir uns abschließend hier also stellen sollten, ist die:

    Wollen wir mehr Business School-Einfluss in der Wirklichkeit haben, oder ist es uns mehr daran gelegen,
    auf die Kraft von Self-Made-Unternehmer zu setzen, selbst wenn Letztere nicht selten mit ihren Vorhaben
    kläglich scheitern sollten?

Wenn Ihnen Lösung A, also die Bewahrung und Ausweitung der Sicherheits- und Vollkasko-Mentalität lieber ist,
als Lösung B, also die Hingabe an
das Recht, lieber mit fliegenden Fahnen unterzugehen, als mit eingerollten
Wimpeln, dann sollten Sie gegen Sparhaushalte jetzt und für Krugman und Keynes sein. Wenn Sie den Einfluss
der Halbherzigen und Scheinheiligen aber begrenzen wollen, und auch den unangepassten Querdenkern eine
faire Chance geben wollen, gehört zu werden,
dann sollten sie mit Noah denkt™ das Experiment der
Sparhaushalte jetzt wagen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

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Keynesianer
, Marktliberale gegen Keynesianer, weltanschauliche Diskussion um staatliche
Sparprogramme, Keynes und die Folgen für staatliche Kreditwuerdigkeit