Noah denkt™  -
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Das Hauptübel des Kapitalismus
Dialog über die Kapitalismuskritik zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego, erster Entwurf
erstellt am 18.05., veröffentlicht am 3.07.2009
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Tagen der Finanzkrise wird der Kapitalismus ganz
besonders in Frage gestellt. Was hält Noah denkt™ von dieser Diskussion?
Antwort von Noah denkt™: Wir finden es gut, dass über den Kapitalismus debattiert wird. Allerdings meinen wir
auch, dass dessen Hauptübel bis dato nicht erkannt und diagnostiziert worden ist.

AE: Und was ist dieses Kernproblem, das nach Meinung von Noah denkt™ bisher nicht adäquat analysiert
worden ist?
Nd: Es ist die Tatsache, daß es gerade in unserer Zeit so ist, dass die meisten von denen, die den Kapitalismus
an vorderster Front propagieren, selbst keine wahren Kapitalisten sind.

AE: Wie bitte?
Nd: Na ja die meisten, von denen, die heutzutage den Kapitalismus predigen, sind entweder Politiker, Vorstände
oder Wirtschaftsprofessoren. Damit aber, in dem die Betreffenden ihr Geld als Angestellte verdienen, da wird
man ihnen vorwerfen müssen, dass sie dem Geist des Kapitalismus, den sie eigentlich vertreten, gar nicht
gerecht werden. Denn zu wenig haben sie sich nun um einen konsequente Selbstständigkeit bemüht, als dass sie
die Idee der Freiheit jetzt noch angemessen würden verkörpern können.

AE: Warum wird man dem Geist des Kapitalismus nicht gerecht, wenn man sich bewusst für eine
Angestelltenkarriere entscheidet?
Nd: Weil man sowohl als Vorstand, wie auch als akademischer Angestellter und Politiker immer die Zustimmung
anderer braucht, um die eigenen Strategien verwirklichen zu können. Ein selbstständiger Unternehmer aber ist in
dieser Hinsicht allein sich und seinem Gewissen verpflichtet. Und so wird man ihm also zugestehen müssen, dass
er sich dem Risiko der Freiheit in viel existenzieller Weise stellt, als dies bei denen der Fall ist, die gerade dieses
Unabhängigkeitsrisiko meiden wollen.

AE: Nun ist ja auch ein selbstständiger Unternehmer nicht völlig frei. Immerhin muss er doch die Wünsche seiner
Kunden erfüllen. Und wenn er dann noch Angestellte hat, dann wird er auch für deren Wohl eine Verantwortung
spüren müssen.
Nd: Sicher wird auch ein Unternehmer nicht alle Abhängigkeiten und Daseinsängste überwinden können. Fakt
aber ist, dass er sich dem Wagemut der Selbstbestimmung in viel größerer Weise überantwortet, als dies bei
denen der Fall ist, deren Einkommen vertraglich vom Wohlwollen ihres Arbeitgebers abhängig ist.

AE: Und dennoch stellt sich die Frage, ob denn die Eingangsthese von Noah denkt™  stimmt. Denn immerhin gibt
es doch auch heute noch wichtige Unternehmerrepräsentanten wie den Herrn Hundt, den Herrn Braun oder den
Herrn Grupp, die in der öffentlichen Wahrnehmung außerordentlich präsent sind? Wird man also tatsächlich
davon sprechen können, dass die Vorzeigekapitalisten gar keine Kapitalisten sind, wenn es daneben noch die
Gebr. Albrecht, die Familie Schlecker, die Frau Schickedanz oder den Herrn Würth gibt?
Nd: Abschließend wird man sicher nur mit einer empirischen Studie messen können, ob der Bekanntheitsgrad
und die Symbolwirkung der Herrn Hundt, Braun oder Grupp, tatsächlich mit denen der Herrn Ackermann, Zetsche,
Sinn oder Walter vergleichbar ist. Unserer Meinung nach aber kann es über das Ergebnis einer solchen Umfrage
keinen Zweifel geben.

AE: Nun wird man natürlich auch sagen müssen, dass es keineswegs ungewöhnlich ist, wenn die Vorstände
großer Aktienunternehmen stärker im Fokus stehen, als dies bei einem durchschnittlichen Mittelständler der Fall
ist. Immerhin haben die Betreffenden ja eine ständige Berichtspflicht. Und so ist es doch nur selbstverständlich,
dass man von ihnen überdurchschnittlich viel hört.
Nd: Stimmt. Und dennoch ist es falsch, wenn die Betreffenden als erster Ausdruck des kapitalistischen Geistes
angesehen werden. Denn das sind sie sicher nicht.

AE: Aber was können diese Vorstände dafür, dass ihnen die Herzen derart zufliegen?
Nd: Na, ja sicher hat das auch etwas mit ihrem Selbstverständnis und ihrer Eitelkeit zu tun.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ plädiert an dieser Stelle für ein größeres Maß an Demut und
Zurückhaltung auf Seiten dieser leitenden Angestellten?
Nd: So ist das.  

AE. Warum ist das so wichtig?
Nd: Weil schwere Verwerfungen in der Marktwirtschaft nur dann vermieden werden können, wenn es bezüglich
der Frage, was ein Kapitalist ist, keine Missverständnisse gibt.

AE: Würde Noah denkt™ dies bitte etwas näher erläutern?
Nd: Nun ja, die Tatsache, dass es eigentlich Technokraten sind, die im Kapitalismus das höchste Ansehen haben,
führt natürlich dazu, dass nun auch andere sich immer mehr den üblichen Weisheiten verschreiben. Und so ist es
nur natürlich, dass es für wahre Unabhängige immer schwerer wird, sich gegen die Übermacht der Karrieristen
und Konformisten durchzusetzen. Denn zu sehr ist das Arrivierte nun in Stein gemeißelt, als dass man es jetzt
noch genügend würde in Frage stellen können.

AE: Und dennoch hat diese Technokratenwirtschaft doch recht gute Ergebnisse erzielen können?
Nd: Vorsicht! Welche negativen Auswirkungen die Verwalter- und Funktionärsherrschaft hat, das wird man am
besten an der gegenwärtigen Finanzkrise erkennen können. Denn sicher hat es auch etwas mit geistigen
Mitläufern und mit mangelndem Hinterfragen von Modemeinungen zu tun, dass sich die Finanzmärkte derart
vergaloppieren konnten.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ meint also, dass ein Missverständnis im Kapitalistenbegriff schlussendlich
auch zu einer beträchtlichen Missallokation von Ressourcen führt?
Nd: So ist das.

AE: Und Noah denkt™ glaubt in der Tat, dass ein wahrer Kapitalistenbegriff die Verwerfungen vermeiden könnte,
die eine Marktwirtschaft zweifellos produziert?
Nd: Auf jeden Fall würde es möglich sein, den Wandel sozialverträglicher zu gestalten. Denn nun nämlich, da
auch die etablierten Führungskräfte erfahren haben, wie aufwendig es ist, sich als „Self-made“- Anbieter
durchzusetzen, da würden auch die Arrivierten sich weniger snobistisch verhalten. Und so werden sich in diesem
Fall auch mehr Menschen dazu ermutigt fühlen, sich an der Schaffung des Neuen zu beteiligen. Denn zu sehr hat
man ihnen den Glauben an die Machbarkeit der Freiheit nun vorgelebt, als dass sie sich jetzt noch in ihrer
Durchschnittlichkeit verstecken wollen.

AE: Ist es nicht eine Utopie im Zusammenhang mit dem Kapitalismus an die Machbarkeit eines sanften Wandels
zu glauben? Denn immerhin geht es demselben doch vor allem um das ökonomische Prinzip, die Akkumulation
von Kapital und die ausbeuterische Unterdrückung der Unterschicht?
Nd: Sicher spielt das ökonomische Prinzip im Kapitalismus eine gewisse Rolle. Und sicher wird man auch nicht
leugnen können, dass die Frage des Habenwollens hier nicht unbedeutend ist. Und doch wäre es falsch, den
Kapitalismus auf diese Dinge zu reduzieren. Denn so wie das ökonomische Prinzip viel zu abstrakt ist, um im
Einzelnen zu definieren, was ein angemessener Aufwand ist, so wird auch nicht jedes Habenwollen von
vorneherein als negativ zu beurteilen sein. Denn immerhin wird ja auch ein Altruist wenigstens noch seinen
Frieden für sich haben wollen. Und so wird man also auch beim ihm einen gewissen Egoismus noch erkennen
können. - Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird erkennen müssen, dass der Mensch ohne ein
Habenwollen gar nicht lebensfähig ist.

AE: Und was ist mit dem Gedanken der Klassenherrschaft? Schließlich zeigt doch gerade der Snobismus, den die
Arrivierten gegenüber den Nichtarrivierten an den Tag legen, dass es ihnen letztlich nur darum geht, ihre
bestehende Vormachtstellung zu sichern?
Nd: Diese Argumentation ist nicht völlig falsch. Allerdings zeigt die Realität des amerikanischen Traums, dass es
auch anders gehen kann.

AE: Und dieser Traum ist keine Utopie?
Nd: Es kann sein, dass er angesichts der allgemeinen Funktionärspräsenz immer mehr im Begriffe ist, zur Utopie
zu werden. Aber noch ist diesbezüglich nicht aller Tage Abend. Wenigstens wollen wir das Unsrige dafür tun, dass
der Glaube an die Möglichkeit eines hausgemachten Pionierkapitalismus nicht völlig untergeht.

AE: Nun könnte man ja auch argumentieren, dass der Grund für die Entwicklung einer
Angestelltenmarktwirtschaft darin zu suchen ist, dass es schlichtweg zu schwierig geworden ist, in einem
überfüllten Nachfragermarkt noch mit einem selbstbestimmten Angebot bestehen zu wollen. Was sagt Noah
denkt™ zu dieser Überlegung?
Nd: Es kann ein Zweifel darin bestehen, dass es schwierig und bisweilen sogar unmenschlich ist, in dieser Welt
um eine Selbstbestimmung zu ringen. Aber, dass dem so ist, das kann ja noch kein Grund sein, selbiges dann
nicht zu tun. Denn, dass die Freiheit, oder gar das menschliche Leben vergnügungssteuerpflichtig seien, das wird
man ja wahrlich nicht behaupten können.

AE: Mit anderen Worten, man wird um dieser Freiheit willen auch bereit sein müssen, seine Selbstzerstörung zu
riskieren?
Nd: Wenn man eine Deutungshoheit beanspruchen will, dann kann die Antwort auf diese Frage nur „Ja“ lauten.

AE: Spätestens das aber hat mit dem ökonomischen Prinzip nun nichts mehr zu tun!
Nd: Gerade das Gegenteil ist wahr. Denn, um den größten ideellen und materiellen Selbstbestimmungserfolg zu
erzielen, da gibt es keinen billigeren und schnelleren Weg.  

AE: Na, ja, wenn man das mal stimmt.
Nd: Es stimmt! Glaub’ daran.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Kapitalismuskritik, falsch verstandener Kapitalismus, Geist des Kapitalismus, Doppelzüngigkeit im
Kapitalismus,
Unehrlichkeit im Kapitalismus, Strukturproblem des Kapitalismus,
geistiges Mitläufertum im Kapitalismus, Angestelltenkapitalimus