Über den Kapitalismus im damals noch britisch-regierten Hongkong
Untersuchung, erstellt am 21.08.07
------------------------------------------------------------------------------------------------------
Angeblich soll Milton Friedman einmal gesagt haben, dass er den Kapitalismus im damals noch britisch-regierten
Hongkong für den reinsten und effizientesten gehalten hat, den es in der Welt seinerzeit gegeben hat. Denn zu
niedrig und flach seien die Steuersätze hier gewesen, als dass man darin nicht den unternehmerischen Traum
des Liberalismus hätte verwirklichen können.
Wenn Professor Friedman diese Ansicht tatsächlich vertreten haben sollte, - und wir wollen dies um der
Argumentation Willen einmal annehmen -, dann hat er dabei aber verkannt, dass es in der Kronkolonie
wenigstens einen wesentlichen Makel gegeben hat, der die volle Blüte des Kapitalismus verhindert hat. Es ist dies
das Fehlen einer wahrhaft emanzipierten und kritischen Medienkultur gewesen. Denn zu wenig hat dieselbe dazu
beigetragen, dass auch die Strategien der Erfolgreichen noch frei genug diskutiert werden konnten, als dass die
Letzteren diese Reflexion jetzt noch hätten nutzen können.
Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird sehen müssen, dass auch die nominell unabhängigen
Medien im britischen Hongkong viel zu brav und obrigkeitsverliebt gewesen sind, als dass sie ein wirklich
egalitäres Debattenklima hätten schaffen können. Und so wird man dessen Liberalismus auch gar nicht erst
empfehlen können. Denn zu wenig sind hier die feudal-tradierten Statusbegriffe überwunden worden, als dass es
hier schon jene wechselseitige Analysebefruchtung hätte geben können, die allein dem neoliberalen Kapitalismus
seine maximale Effizienz verleihen kann.
Dass es aber wohl so ist, und der Herr Friedman dieses exilchinesische Emanzipationsmanko nicht gesehen hat,
das wird man sich nur so erklären können, dass für ihn die Egalitätserwartung zu selbstverständlich gewesen ist,
die er zu Hause hat erleben dürfen. Und so wird er das Fehlen derselben anderswo auch gar nicht mehr erspüren
können. Denn zu wenig hat er sich in den USA die Antennen dafür schärfen können, in wieweit man sonstwo nach
Standesdenken erzogen ist, als dass man jetzt noch die Unterwürfigkeitserwartung würde verstehen können, mit
der in diesen Ländern zu Werke gegangen wird.
Für diejenigen aber, die das Vorhandensein einer wirtschaftlichen Freiheit nicht mit der, einer gefühlten
individuellen Liberalität verwechseln wollen, bedeutet dies, dass sie ihrer persönlichen Unabhängigkeit nirgends
werden besser finden können, als dort, wo sie den Neoliberalen diesen Unterschied deutlich machen können.
Denn zu sehr werden sie damit auch ihre eigene Erwerbsperspektive retten können, als dass sie sich vor den
Unwägbarkeiten des Wirtschaftsliberalismus jetzt noch werden fürchten müssen.
Den Kritikern unserer These aber wird man sagen müssen, dass das Vorhandensein einer Klasse von
Tellerwäschermillionären, noch kein Ausweis dafür ist, dass der amerikanische Traum in dieser Gesellschaft auch
verwirklicht ist. Und so wird man deren Konzepte auch gar nicht erst empfehlen können. Denn zu sehr wird auch
diesen emporgekommenen Patriarchen an eine selbstbewusste Börsenöffentlichkeit fehlen müssen, als dass sie
jetzt noch jene Intuitionsschärfe werden entwickeln, die sich allein im Turbowettbewerb nachhaltig wird behaupten
können.
Nein, nein, wer den Traum von einem vollendeten Kapitalismus ehrlich träumen will, der wird denselben nicht nur
auf einen nachahmerische Arbeitskostenvorteil gründen dürfen, sondern der wird gerade dem unerhörten
Denken darin eine echte Chance geben müssen. Denn nur, wenn er eine offene und lebendige Debatte fördert,
dann wird er sich davon selbst auch bestmöglich inspirieren können. Und so wird er seine Marktgängigkeit in
diesem Fall auch immer wieder neu erfinden können. Denn zu sehr wird er sich nun auf deren Innovationskraft
auch verlassen können, als dass er jetzt noch auf eine Kostenarithmetik wird bauen müssen.
Da dem aber so ist, wie es ist, und nur ein demokratischer Idealismus jene Öffentlichkeit erzeugen kann, die dem
amerikanischen Traum eine Nachhaltigkeit verleihen kann, da wird den Wirtschaftsliberalen nur raten können, ihr
kulturelles Schmalspurverständnis endlich zu überwinden. Denn zu wenig werden sie andernfalls die wahren
Herausforderungen des Kapitalismus noch verstehen können, als dass sie diese jetzt noch werden bewältigen
können.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein
Erinnering: Noah denkt™ ist ein Projekt des Landei Selbstverlages (Inh. Wilhelm Leonards). Die Rechte an allen Texten und Beurteilungen, die unter der Bezeichnung Noah denkt™ veröffentlicht worden sind, sind Eigentum des Landei Selbstverlages (Inh. Wilhelm Leonards), und der Nachdruck, die Vervielfältigung und die Weiterverbreitung der hier veröffentlichen Texte oder Teilen daraus sind nur mit vorhergehender schriftlicher Genehmigung von Wilhelm Leonards erlaubt.
Selbstverständlich drücken die Auffassungen, die in den Beurteilungen und Texten auf dieser Webseite enthalten sind, alleine die Ansicht des Verfassers aus. Sie entheben also niemanden von der Verantwortung, sich selbst ein eigenes Urteil zu bilden, und für die daraus folgenden Taten und Werke auch selbst gerade zustehen. Was dies konkret bedeutet, das ist im Disclaimer deutlich ausgeführt.
|
Noah denkt™ - Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
|
__________________________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________________________