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Bühne frei!
Brief an Herrn Peymann, vom 02.04.07
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Sehr geehrter Herr Peymann,

ich bin sicher, dass Sie das wissen, aber dennoch veranlasst mich der Gesprächsverlauf zwischen ihnen und der
Frau von Lutzau (abgedruckt im SZ Magazin vom 30. März) noch einmal darauf hinzuweisen, dass es nicht zuerst
die Fehler eines Systems sind, wenn es in dieser Welt Verwerfungen und Ungerechtigkeiten gibt, sondern, dass
es vor allem und zuerst die Feigheiten, Selbstherrlichkeiten und Halbherzigkeiten des Einzelnen sind, die diese
Verwerfungen produzieren. Denn zu sehr hat man in diesem Fall die Schuld bei anderen gesucht, als dass man
sich selbst derselben jetzt schon wird entledigen können.

Nun wird man zwar nicht bestreiten können, dass es der Kapitalismus den Menschen vielleicht ein wenig zu leicht
macht, sich seine Feigheiten und Selbstsüchte schön zu reden. Richtig ist aber auch, dass es derselbe den
Betreffenden nicht verbietet, diese Selbstsüchtigkeiten als, dass, was sie sind, zu denunzieren, und damit sogar  
seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn, dass man dabei seine Existenz riskieren muss, das wird man dem
Kapitalismus selbst doch gar nicht vorwerfen können. Denn zu sehr hat man doch in allen Systemen sein Leben
für die Wahrheit aufs Spiel setzen müssen, als dass man es jetzt noch als erstaunlich betrachten kann, wenn man
dies auch im Turbowettbewerb nun tun muss.

Nein, wer die Sache bei Licht betrachtet, der wird erkennen müssen, dass es einen vergebene Liebesmüh’ ist,
sich nach anderen Systemen umzusehen. Denn zu sehr wird man auch dort dem Existenzialismus nicht entgehen
können, dass man am gegenwärtigen Staat nicht wenigstens seine Rechtsstaatlichkeit wird schätzen können.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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