Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Das Opel-Desaster
Dialog über Staatshilfen zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego, erster Entwurf erstellt am
27.02., veröffentlicht am 28.02.09
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Warum hat sich Noah denkt™ bis dato nicht zum Themenkomplex
Opel und GM geäußert?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Weil wir in dieser Angelegenheit zwischen Nüchternheit und Mitgefühl hin und her
gerissen sind.

AE: Was heißt das?
Nd: Das heißt, das wir auf der einen Seite erkennen, das es nicht sinnvoll ist, Opel mit Staatsgeldern am Leben
zu erhalten, dass es uns auf der anderen Seite aber schwer fällt, das Flehen der dort Beschäftigten hartherzig
abzuweisen.

AE: Aber ist es nicht gerade die Fähigkeit, auch in schweren Situationen die Position des Verstandes zu
vertreten, die einen sehr guten Leader von einem nur mittelmäßigen Leiter unterscheidet?
Nd: Stimmt.

AE: Wo ist also das Problem?
Nd: Das Problem ist, dass es einfach ist, dies theoretisch zu vertreten, dass es aber viel schwieriger ist, selbiges
auch praktisch umzusetzen.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ ist also ganz froh, darüber, dass es in dieser Situation keine konkrete
Verantwortung zu tragen hat?
Nd: So ist das.

AE: Dennoch, so einfach wird man sich hier aber nicht aus der Affäre ziehen können. Immerhin wird man doch
von jemandem, der für sich eine Deutungshoheit beansprucht, auch in dieser Sache eine klare Stellungnahme
erwarten müssen.
Nd: Stimmt.

AE: Wie gehen wir also vor?
Nd: Na, am besten arbeiten wir die Für und Wider einmal Schritt für Schritt ab.

AE: Gut. Fangen wir also mit der Position derer an, die Opel eine Staatshilfe gewähren wollen.
Nd. In Ordnung.

AE: Was spricht aus Noah denkt™s Sicht dafür?
Nd: Nun dafür spricht letztlich nur der Umstand, dass unsere Gesellschaft eben nicht offen, egalitär und
unvoreingenommen ist, so dass man auch von niemandem darin so ohne weiteres erwarten kann, dass er sich
entsprechend der wirtschaftlichen Notwendigkeiten mal ebenso neu erfinden kann.

AE: Das verstehe ich nicht?
Nd: Na, ja, das Problem hier zu Lande ist doch, dass wir eine Schubladenvolkswirtschaft sind. Und auf Grund
dieses Schachteldenkens ist es nun mal für einen Kfz-Mechaniker genauso schwer, morgen als Schornsteinfeger
oder Eventorganisator anzufangen, wie es für einen Autokomponentenhersteller ist, übermorgen als Zulieferer im
Flugzeug- oder Windmühlenbau anerkannt zu werden.

AE: Mit anderen Worten, wer von einer Volkswirtschaft und deren Wirtschaftssubjekten eine schnelle Wandel-
und Anpassungsfähigkeit erwartet, der wird erst einmal den komplizierten Zugangsbürokratismus überwinden
müssen, der hierzulande den Einstieg in das eine oder andere Milieu erschwert?
Nd: Genau so.

AE: Aber ist dieser Zugangsbürokratismus nicht gerechtfertigt? Immerhin geht es hier doch darum eine bestimmte
Qualität im jeweiligen Schuhkarton sicher zu stellen. Denn natürlich wird man doch nicht von jedem Kfz-
Mechaniker erwarten können, dass er übermorgen schon die ganzen Brandschutzverordnungen beherrschen
kann, die ein Schornsteinfeger kennen muss.
Nd: Es ist sicher nicht ganz falsch, hier auf Qualität zu achten. Wünschenswert wäre es aber, dass die Dinge nicht
nach Schema F abgearbeitet werden, sondern dass man sich erst den Menschen selbst ansieht, ehe man ihn für
geeignet oder ungeeignet hält.

AE: Und das geschieht derzeit nicht?
Nd: Nein, derzeit achtet man in den Personabteilungen immer noch viel zu sehr auf die Stringenz eines
Lebenslaufes. Der hier ist immer noch Stromlinienförmigkeit mehr als Wandlungsfähigkeit gefragt.

AE: Und das ist falsch?
Nd:  Das ist definitiv falsch. Denn gerade im Turbowettbewerb ist man nämlich auf die Vielseitigkeit seiner
Angestellten ganz besonders angewiesen. Und so ist gerade deshalb auch gar nicht wünschenswert, wenn alle
Beteiligten nie aus dem eigenen Schuhkarton herausgekommen sind.

AE: Okay: Wenn es nun also wünschenswert ist, dass sich hierzulande eine solche Offenheit entwickelt, dann wird
man doch gerade deshalb auch die Opelbeihilfen streichen müssen. Denn immerhin würde man ja im anderen
Fall nur das Gegebene weiter fortschreiben.
Nd: In dem Fall hieße das aber, den Wandel auf dem Rücken der Opelbelegschaft aus zu tragen.

AE: Sicher. Aber die sind ja Kummer gewöhnt. Immerhin steht Opel ja schon seit Jahren in der Bredouille. Und so
wird es auch für niemanden darin und darum etwas Neues sein können, dass auf dieses Unternehmen nicht mehr
groß gebaut werden kann.
Nd: Sicher wird das niemandem entgangen sein. Aber unser Alter Ego weiß, wie das ist. Die Menschen vergraben
sich nun mal lieber in dem schmerzreichen Bekannten, als das Risiko des Unbekannten auf sich zu nehmen. Und
dies ist natürlich gerade dann der Fall, wenn dieses Unbekannte in der umgebenden Kultur allgemein, mit soviel
Skepsis betrachtet wird, wie dies bei uns der Fall ist.

AE: Soll heißen, das Noah denkt™ in diesem Fall also bereit wäre, Gnade vor Recht walten zu lassen, und
Steuergelder für Opel zu vergeuden?
Nd: Na, ja ausschließen können wir es nicht, obwohl es unterm Strich sicher besser wäre, wenn man die
entsprechenden Mittel für Umschulungsmaßnahmen, als für Aussichtslosigkeiten opfern würde.

AE: Nun vielleicht hilft’s, wenn man in diesem Zusammenhang auch an die denken wird, die später einmal die
Kosten für diese Halbherzigkeit tragen müssen.
Nd: Natürlich muss man an auch an die späteren Steuerzahler denken. Allerdings ist es auch so, dass man davon
ausgehen kann, dass sich diese nachkommenden Generationen mit derselben weinerlichen Bequemlichkeit an
die Arbeit machen werden, die auch die gegenwärtige an den Tag legt.

AE: Apropos, weinerliche Bequemlichkeit: Von Opel-Seite wird ja in dieser Angelegenheit argumentiert, dass die
aktuelle Krise vor allem durch Fehler anderer verschuldet sei, so dass es ungerecht wäre, brave Arbeiter dafür
bluten zu lassen, was anderswo verbockt worden ist. Was hält Noah denkt™ von dieser Argumentation?
Nd: Sie versteckt sich in einem Zuständigkeitsdenken, welches dem modernen Turbowettbewerb nicht mehr
angemessen ist. Soll heißen, dass, wer in Zukunft bestehen will, sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass sein
Management oder andere in der Volkswirtschaft schon das Richtige tun.   

AE: Also auch dies kann keine Rechtfertigung für staatliche Interventionen im Opel-Fall sein?
Nd: Richtig.

AE: Können wir uns also darauf einigen, dass es besser ist, kein Steuergeld für Opel und GM auszugeben.
Nd: Yes, unfortunately, we can.
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