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Der Karrierismus zeigt sein wahres, gewissenloses Gesicht
Aperςu zu Oettingers Filbingerrede, 18.April 07
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Was die Oettinger Rede zeigt, ist der Umstand, das es nach wie zu viele Menschen im Lande gibt, die es als ein
selbstverständliches und legitimes Recht des Menschen ansehen, unter welchem Umständen auch immer
Karriere machen zu wollen. Denn zu sehr, so meinen sie, sei es dem Menschen doch aufgegeben, sich sein
Anerkanntseinsbedürfnis auch zu befriedigen, als dass man es ihm jetzt noch würde vorwerfen können, wenn er
sich dafür um eine angepasste Laufbahnmentalität bemüht.

Dabei wird man denen, die so denken, sagen müssen, dass es nicht einmal in der Demokratie so ist, dass man
sich einen fraglosen Karriereeifer wird erlauben dürfen. Denn zu sehr wird man damit auch hier einem
Totalitarismus Vorschub leisten, als dass man sich eine solche unrebellische Aufstiegslust jetzt noch wird
zugestehen können.

Nein, wer der Demokratie wirklich dienen will, der wird so wenig, wie möglich, das Übliche nur deshalb tun dürfen,
weil es eben üblich ist, sondern der wird sich stets darum bemühen müssen, gerade dieses Übliche in Frage zu
stellen. Denn nur, wenn er dieses tut, dann wird er eine ehrliche Überzeugung auch entwickeln können. Und so
wird er in diesem Fall die Freiheit auch tatsächlich mehren können. Denn zu sehr wird er nun dafür auch die
eigenen Aufstiegschancen riskieren wollen, als dass er sie nicht gerade mit dieser Wagnisbereitschaft auch wird
fördern können.

Denen aber, die sich die eigene Unterwerfung unter das Angepasste dadurch schönreden wollen, dass sie auf
die Errungenschaften verweisen, die sie gerade durch ihre Laufbahncleverness haben erzielen können, denen
wird man sagen müssen, dass all das Positive, was sie in diesem Zusammenhang zur Konsolidierung des
republikanischen Systems geleistet haben, nicht die nachteiligen Nebenwirkungen aufheben kann, die ihre
karrieristische Selbstgefälligkeit nach sich ziehen wird. Denn zu sehr haben sie mit ihrer eigenen philosophischen
Bequemlichkeit auch andere zu derselben animiert, als dass sie Freiheit jetzt noch, wie selbstverständlich, werden
erhalten können.

Nein, nein, gerade von denen, denen die Möglichkeit gegeben wurde, eine Akademie zu besuchen, wird man
erwarten müssen, dass sie ihre eigene Suizidalität nicht von vorneherein als krank und irregeleitet begreifen,
sondern gerade von diesen Zeitgenossen wird man verlangen müssen, dass sie dieselbe auch als eine Chance
zum Unerhörten verstehen. Denn zu sehr werden sie no so dem Geist der Freiheit auch entsprechen können, als
dass sie sich diesem jetzt noch werden enthalten dürfen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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