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Verirrungen sind per Gesetz nicht zu verhindern
Anmerkungen zu Obamas Finanzmarktreform, erster Entwurf erstellt am 16.07., veröffentlicht am 17.07.2010
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Die Finanzmarktreform, die in diesen Tagen vom amerikanischen Kongress beschlossen worden ist, wird dem
Publikum so verkauft, dass man beteuert, nie wieder eine Situation, wie die, der Finanzkrise 2008, eintreten
lassen zu wollen, in der es dem Steuerzahler aufgebürdet  wird, den Bankensektor aus einer Notlage zu befreien,
in die sich letzterer selbst mit rücksichtslosen und riskanten Spekulationsirrtümer hinein manövriert hat. Dieses
Verkaufsargument aber wird man nicht anders als naiv und populistisch nennen können. Denn natürlich wird es
auf Dauer keinem Gesetz der Welt gelingen, die nächste große Mehrheitsverirrung zu verhindern, die sich bei der
Einschätzung von Daseinsbewältigungsstrategien entwickeln wird.
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Dass dem aber so ist, wie es ist, und es ab und an in der gesellschaftlichen Diskussion zu strukturellen
Fehleinschätzung der Realität kommt, gegen die auch staatliche Aufsichtsbehörden und akademische Denker
nicht gefeit sind, das hat mehr mit der Komplexität der Materie, als mit der überbordenden Gier einiger weniger zu
tun. Denn die Einschätzung von sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Wahrscheinlichkeiten ist nun
mal keine mathematisch-naturwissenschaftliche Disziplin, sondern hier wirken allerlei weltanschaulichen
Neigungen, Hoffungen und Verbindlichkeiten mit hinein, die eine Eineindeutigkeit unmöglich machen. Gott sei
Dank, kann das auch gar nicht anders sein. Schliesslich wäre eine individuelle und politische Freiheit gar nicht
länger denkbar, wenn es darin nicht auch das Recht geben würde, sich gewaltig zu vertun. Denn, wenn es
tatsächlich gelingen könnte, die Richtigkeit einer Strategie unstrittig vorherzusagen, da würde dies nur dazu
führen müssen, dass sich am Ende eine Diktatur der mathematischen Eliten entwickeln würde, die für sich selbst
die gleiche klerikale Sonderstellung beanspruchen würden, die auch Fürsten und Medizinmänner anderswo für
sich gerne haben wollen.

Wir sollten daher aufhören, so zu tun, als ob es eine Freiheit geben könne, die ohne einen kaum zumutbaren
Schmerz auskommen würde. Denn schlussendlich ist es nichts anderes, als die Fähigkeit, zur selbstbestimmten
Folter bewusst „ja“ zu sagen, die uns unsere Menschenwürde verleiht, und die uns dem Himmel ein Stück näher
bringt.    

Man wird daher den Finanzmarktreformern sagen müssen, dass ihre größten Hoffnungen zum Scheitern verurteilt
sind. Gleichwohl wird man ihnen das Recht dieses Scheiterns in jeder Sekunde zugestehen müssen. Denn
immerhin haben sie sich bei der Formulierung ihres Irrtums ja genauso an rechtsstaatliche Prinzipien gehalten,
wie dies auch jene getan haben, die sich mit zu großem Optimismus am subprime Hypothekengeschäft und
dessen derivaten Ablegern beteiligt haben.

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Fußnote*** : Diese Verirrung, wird man übrigens, wenn überhaupt, nur mit unserer Philosophie des kapitalistischen
Existenzialismus verhindern können. Denn hier besteht immerhin die Chance, dass man sich ob der ehrlichen Ausgesetztheit
seines Daseins tatsächlich der bestmöglichen Intuition gewahr wird, und so dann auch jene Widerstandskraft entwickeln kann, die
eine vernünftige kritische Distanz so dringend braucht.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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