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Nicht alle Einzelgänger sind Psychopathen
Anmerkungen zur Pathologie von Massenmördern, erster Entwurf erstellt am 26.07., veröffentlicht am 27.07.2011
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Im Nachgang zu dem schrecklichen Massenmord in Norwegen wird das Psychogramm der Attentäter vom Stile
Breiviks wie folgt von den Experten beschrieben:

Es handelt sich bei den betreffenden Tätern meist um „Männer, die nicht mehr ganz jung sind“, die „einen hohen
technischen Verstand, meist sogar eine technische Ausbildung“ haben, die „ledige Einzelgänger“ sind,  welche
„nach außen hin kaum auffallen, [und] eher als höflich, nett und schüchtern beschrieben werden. Strafrechtlich
sind sie vorher noch nicht in Erscheinung getreten. Neben dem technischen Know-how haben sie Zugang zu
Waffen.“  
(aus: Interview mit Gerichtspsychiater Reinhard Haller, in Welt Online vom 25.07.2011/"Breivik-wollte-den-maximalen-
Schmerz.html)

Hintergrund ihrer Tat ist „irgendein subjektives Kränkungserlebnis, wobei es sich dabei oft um ganz gewöhnliche
Dinge handelt.“ Denn diese Menschen sind „stark narzisstisch und sehr leicht kränkbar“. Ja, in „ gewissem Sinne
sind sie gekränkte Genies. (…)  Nach der vermeintlichen Kränkung ziehen sie sich verbittert zurück und
entwickeln eine Idee, die ganz unterschiedlich sein kann… (…) Diese Idee wird [dann] sehr wichtig in ihrem
Leben. Weil sie niemanden haben, mit dem sie sich austauschen und der sie korrigiert, wird diese Idee wahnhaft.
Ihr wird alles untergeordnet. Die Täter bekommen ein Sendungsbewusstsein, gepaart mit einer absoluten
Reflexionsschwäche. Sie sind zunehmend davon überzeugt, dass sie die Menschheit von dem von ihnen
wahrgenommenen „Unrecht“ überzeugen müssen. Wenn die Idee erst einmal wahnhaft geworden ist, ordnen sie
ihr alles unter und nehmen dafür alles [sprich: auch die Tötung anderer (Anmerkung des Verfassers“)] in Kauf.“
(Haller a.a.O.)

Im Kern aber geht es den Breiviks dieser Welt nur darum, „ein Held zu werden“ und „in die Geschichtsbücher
[bzw. Medien] einzugehen", um so das Gefühl der eignen Minderwertigkeit kompensieren zu können.  
(siehe dazu:
Interview mit Jens Hoffmann, Kriminalpsychologe, Darmstädter Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagment, Stern Online,
vom 25. Juli, 2011/ "Die-Psychologie-des-Boesen")

Das alles ist sicher richtig und gut gesagt. Nur sollten wir jetzt nicht den Fehler machen, die oben genannte
komplexe Beschreibung so zu reduzieren, dass wir darauf alle ledigen Einzelgänger, die schüchtern im
Verborgenen wirken, und dennoch ein Sendungsbewusstsein haben, zu möglichen Psychopathen machen. Denn
natürlich muss man nur an die vielen anerkannten und nicht anerkannten Schriftsteller denken, die ähnlich
einsam leben, und dennoch ein Gefühl der eigenen Relevanz und Bedeutung haben müssen, um überhaupt
etwas zu Papier bringen zu können, um darauf zu verstehen, das eine schlichte Vereinfachung hier unangebracht
ist.

Nein, der Umstand, dass jemand narzisstische Züge hat, und gegen alle Wahrscheinlichkeit versucht für seine
Thesen eine Aufmerksamkeit zu bekommen, muss nicht unweigerlich dazu führen, dass er mithin auch andere für
seine Misere verantwortlich macht. Denn dass, was den
produktiven Einzelgänger-Narzissten (der Begriff des
"produktiven Narzissten stammt von Michael Maccoby)
vom destruktiven Massenmörder unterscheidet, ist vor allem die
Tatsache, dass ersterer seine Gegner nicht hasst, sondern im Gegenteil nur allzu zu gut verstehen kann, warum
diese zu ihren Auffassungen gekommen sind. Dem wahnsinnigen Massenmörder aber fehlt’s gerade an diesem  
Mitleid mit seinen Sündenböcken. Denn nur mit seiner übertriebenen Selbstüberhöhung ist es zu erklären, dass
er sich vom Empfinden der Andersdenkenden so sehr distanziert hat, dass er die Betreffenden schließlich ohne
Mitgefühl „eliminieren“ kann.

Wir sollten es also nicht mit der Denunzierung jedweder Eigenbrötlerei übertreiben. Denn bisweilen kann sich
hinter derlei Existenz auch eine Querdenkerei verbergen, deren Vorhandensein für unsere Zivilisation durchaus
von Nutzen ist.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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die daraus folgenden Taten und Werke auch selbst gerade zustehen. Was dies konkret bedeutet, das ist im
Disclaimer deutlich
ausgeführt.
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Stichwoerter:

Psychogramm von Massenmoerdern, Pathologie von Massernmoerdern, Narzissmus und
Sendungsbewusstsein
, narzisstische Kraenkung, narzisstische Persoenlichkeitsstoerung, konstruktiver
Narzissmus,
destruktiver Narzissmus, Eigenbroetler, Einsamkeit und Narzissmus, narzisstische
Einzelgaenger