Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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DAS DAUERVERBOT UNGEDECKTER LEERVERKÄUFE IST FALSCH
Anmerkungen zum dt. Anti-Spekulations-Gesetzentwurf, erstellt und veröffentlicht am 02.06.2010
(siehe in diesem Zusammenhang auch unsere grundsätzliche Verteidigung des Leerverkaufs)
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Heute hat Finanzminister
Schäuble den Gesetzwurf zum Dauerverbot von ungedeckten Leerverkäufen auf
deutsche Staatsanleihen begründet. Dabei hat er den Sinn dieses Gesetzentwurfes damit erklärt, dass es
notwendig sei, jene Wetten zu verbieten, die allein schon mit ihrem Vorhandensein den Endausgang des Spieles
beeinflussen würden. Dazu hat Noah denkt™ folgendes zu sagen:

  • Es gibt nicht eine Kauf- oder Verkaufsorder an der Börse, die damit nicht auch das allgemeine
    Geschäftsklima, also den Ausgang des Spiels, wie Herr Schäuble sagt, beeinflusst. Das ist nun mal so,
    wenn es darum geht, Vermutungen über das unbekannte Zukünftige zu erstellen. Da orientiert sich der
    eine am anderen, um daran zumindest die Stichhaltigkeit des eigenen Denkens zu überprüfen.   

  • Dass es zu derart vielen ungedeckten Leerverkäufen von Banken- und Versicherungsaktien gekommen ist,
    hängt damit zusammen, dass sich die Emittenten dieser Papiere angreifbar gemacht haben. Ähnlich verhält
    sich dies auch bei den „Angriffen“ auf die griechischen, spanischen oder portugiesischen Staatsanleihen.
    Auch hier war es die Haushaltspolitik der betreffenden Staaten, die den ersten Anstoß dafür geliefert hat,
    das gegen diese Papiere spekuliert werden konnte. Allerdings waren es in diesem Fall nicht die
    ungedeckten Leerverkäufe, die den Schuldendienst verteuert haben, sondern es waren die Credit Defaut
    Swaps, die diese Wirkung nach sich gezogen haben.

  • Dennoch gilt der folgende Satz: WER WILL, DASS REGIERUNGEN ZUKÜNFTIG WENIGER SCHULDEN
    MACHEN, UND SO DEN BESTAND DES EUROS NICHT WEITER GEFÄHRDEN, DER WIRD ES ALS
    KONTRAPRODUKTIV ANSEHEN MÜSSEN, DASS NUN UNGEDECKTE LEERVERKÄUFE VERBOTEN
    WERDEN SOLLEN. Man beraubt sich damit nämlich eines DISZIPLINIERUNGSINSTRUMENTES, welches die
    Regierungen besser, als jede gesetzliche Schuldenbremse, zu einer verantwortlichen Haushaltspolitik
    anhalten kann.

  • Ungedeckte Leerverkäufe sind nur dann profitabel, wenn der Ausgang, auf den sie spekulieren, auch
    tatsächlich eintritt. Es findet hier also kein willkürliches Rumwetten statt, sondern hier wird versucht, unter
    einem beträchtlichen eigenen Risiko Wahrscheinlichkeiten bestmöglich abzuschätzen, und damit zu einer
    optimalen, allgemeinen Preisfindung im Markt beizutragen. Wer also diese ungedeckten Leerverkäufe
    verbieten will, der behindert damit diese bestmögliche allgemeine Preisfindung, und schafft so die
    Voraussetzungen, dass es zu schmerzlichen und strukturellen Fehlallokationen von Ressourcen kommt.

  • Der vorhergehende Punkt verlangt eine weitere Erläuterung. Die wichtigste Frage, die unternehmerisches
    Handeln beantworten muss, ist die, wie es wohl in der nächsten Zukunft in der Wirtschaft, im Marktsegment,
    und mit der Konjunktur weitergehen wird. Und da niemand diese Frage mit Sicherheit beantworten kann, ist
    es nötig, die im Raum stehenden Erwartungen auf die bestmögliche Weise zu synthetisieren. Diese
    Leistung wird von den Börsen erbracht. Denn hier werden die verschiedenen Zukunftseinschätzungen und -
    erwartungen derjenigen, die für ihre Meinung auch tatsächlich grade stehen wollen, gegeneinander
    verrechnet. Daraus entwickelt sich dann der jeweilige Aktien- und Zinspreis, der eine vermittelte, soziale
    Aggregierung dieser Zukunftserwartung darstellt. Wenn man nun diese frei Meinungsbildung einschränkt,
    in dem man ein einzelnes Spekulationsinstrument verbietet, welches seinerseits ja nicht vom Himmel
    gefallen, sondern sich in der Praxis des Vermutungsgeschäftes entwickelt hat, dann führt dies dazu, dass
    der schließlich ermittelte Aktien- und Zinspreis nicht mehr in vollem Maße der aggregierten Meinung
    derjenigen entspricht, die für ihre Ansicht auch ein wirtschaftliches Risiko bewusst übernehmen wollen. Es
    werden also Signale gesandt, die nicht in angemessener Weise der unternehmerisch Willigen darstellen.
    Es wird daher früher oder später dazu kommen,  dass sich die Differenz zwischen dem wahren Aktien- und
    Zinspreis, und dem, der durch die eingeschränkte Spekulation zu Stande gekommenen Preis  genauso
    schmerzlich bemerkbar machen wird, wie dies auch der Fall ist, wenn die in Umlauf befindliche Geldmenge
    über eine zulange Zeit nicht mehr gut genug der realen Volkswirtschaft entspricht, deren Kraft sie eigentlich
    abbilden soll.  

  • Noah denkt™ hatte in einer früheren Anmerkung („Wenn schon Keynes, dann auch richtig!“)  erklärt, dass
    es durchaus verstehen kann, wenn sich Regierungen VORÜBERGEHEND gezwungen sehen, ein Verbot
    von ungedeckten Leerverkäufen auszusprechen. DAS DAUERHAFTE VERBOT solcher Transaktionen
    aber, das ist, und da will Noah denkt™ keinen Zweifel an seiner Auffassung lassen, falsch.


Fazit: Wer mit Selbstvertrauen und Mut in der Welt steht, und sich ansieht, was darin (etwa im deutschen
Gesundheitssystem oder auch im deutschen Sozialverhalten) passiert, der wird zu dem Ergebnis kommen, dass
sich das Zeitalter der europäischen Dirigismus allmählich dem Ende zuneigt. Je früher wir das verstehen, umso
besser ist das. Diejenigen, aber die sich weiter vor der Freiheit verstecken wollen, weil ihre Angst vor der eigenen
Mündigkeit ihre Seele auffrisst, die werden am Ende noch ein schrecklicheres Erwachen erleben, als dies der Fall
gewesen wäre, wenn sie sich schon heute für ihre Unabhängigkeit entschieden hätten.
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Stichworte:

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Leerverkäufen,
volkswirtschaftlicher Sinn von ungedeckten Leerverkäufen, Verteidigung
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Kritik des europäischen Dirigismus