Noah denkt™  -
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Die Ausbeutung und der Liberalismus
Dialog mit dem Alter Ego über die Geschäftspraktiken des Textildiskonters KiK, erster Entwurf erstellt am 05.08.
veröffentlicht am 06.08.2010
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™(AE):
In unserem letzten Dialog zum Finanztest der Stiftung Warentest
vertrat Noah denkt™ die Auffassung, dass es besser sei, bislang verbriefte Arbeitnehmerrechte, wie etwa die,
des Kündigungsschutzes, abzuschaffen, und durch ein Transparenz- und Meldesystem zu ersetzen. Nun hat die
am 04.08.2010 ausgestrahlte „ARD-Exklusiv“-Reportage über den Textildiskonter KiK doch eindrücklich gezeigt,
was passiert, wenn Arbeitnehmer schutzlos den ausbeuterischen Geschäftspraktiken eines rücksichtslosen
Arbeitgebers ausgesetzt sind. Wird man angesichts dieses skandalösen Verhaltens einiger Arbeitgeber, die ja,
wie auch der Fall Schlecker zeigt, keineswegs selten sind, tatsächlich für mehr Freiheit in der Marktwirtschaft
plädieren können?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir meinen schon. Schließlich zeigt ja gerade die sehr gute KiK-Reportage vom
04.08 (21:45 Uhr im Ersten), dass es immer wahrscheinlicher wird, dass eine schreiende Rücksichtslosigkeit im
modernen Markt auch tatsächlich angeprangert wird. Immerhin wird sich jetzt ja jeder Arbeitgeber zweimal
überlegen müssen, ob er sich der Gefahr wirklich stellen will, so öffentlich bloß gestellt zu werden, wie das im
Falle KiK nun passiert ist. Denn derlei schlechte Reputation wird sich natürlich auch auf die Verkaufszahlen des
so bloß Gestellten auswirken.

AE: Ist das nicht alles Wunschdenken? Wird sich nicht am Ende dennoch die Billig-Billig-Strategie der Ausbeuter
im Markte durchsetzen?  Und zeigt nicht die jahrzehntelange Kritik etwa am Schlecker-System, dass derlei
Anprangerung keineswegs dazu führt, dass die Zahl der Diskount-Ausbeuter kleiner wird (siehe etwa McFit,
Saturn oder das besagte KiK)?
Nd: Na, ja, wenn man das Diskounter-System kritisiert, dann wird man in Betracht ziehen müssen, dass die hier
angebotenen Niedrigpreise auch dem einen oder anderen sozial schwachen Konsumenten durchaus zu Gute
kommen. Es wäre daher falsch, darauf zu hoffen, dass die Diskounter-Idee an sich vom Markt verschwindet.
Worauf man hier vielmehr setzen muss, ist, dass sowohl die extrem preisbewussten Kunden, als auch die
Billigheimer-Arbeitgeber nicht mehr ganz so eigensinnig und rücksichtslos sind, wenn sie ihre Ziele in Zukunft
verfolgen.

AE: Und dazu soll es tatsächlich irgendwann mal kommen?
Nd: Wenn in Sachen Aufklärung hier nicht nachgelassen wird, dann können wir uns das in der Tat vorstellen.
Natürlich wird es immer Ungerechtigkeiten geben. Und sicher werden manche dieser Ungerechtigkeiten auch je
nach Blickwinkel unterschiedlich gesehen werden. Aber schlussendlich wird es keine andere Möglichkeit geben,
Auswüchse einzudämmen, als die, öffentliche darüber zu debattieren, und auf eine daraus resultierende
Marktreaktion zu hoffen.

AE: Was meint Noah denkt™, wenn es davon spricht, dass manche Ungerechtigkeit je nach Blickwinkel
unterschiedlich gesehen werden können?
Nd: Wir meinen damit, dass vieles, nicht alles, von dem, was in unseren Breiten als Ausbeutung verstanden wird,
aus der Perspektive eines Entwicklungslandes trotz allem als die willkommenere Alternative angesehen werden
kann. Denn auch, wenn es skandalös ist, dass eine Näherin in Bangladesh so wenig verdient,  dann ist das
bisschen Verdienst, was sie nun hat, doch nach wie vor besser, als die völlige Erwerbslosigkeit, in der sie vorher
gelebt hat. Wir werden also solange noch mit dramatischen Unterschieden in den Sozialstandards leben müssen,
solange sich die Wirtschaftsverhältnisse auf dem Planeten nicht weiter angeglichen haben.

AE: Zu dieser Angleichung wird es aber niemals kommen. Stattdessen werden die Armen ja immer ärmer und die
Reichen immer reicher werden.
Nd: Nun die Beispiele der steigenden Löhne in  Korea, Singapur oder China zeigen, dass wir hier keineswegs in
einer Einbahnstraße sind.

AE: Noah denkt™ glaubt also, dass es eines fernen Tages, wenn auch noch Afrika und Lateinamerika erwacht
und entwickelt sind, ein in etwa gleiches Sozialniveau überall auf der Welt geben wird?
Nd: Darauf hoffen wir, und daran arbeiten wir.   

AE: Einen so langen Atem werden aber die, die unterwegs auf der Strecke bleiben, nicht haben können.
Nd: Das ist richtig. Allerdings muss man dabei bedenken, dass auch unsere Freiheit mit einem hohen Blutzoll
erkämpft worden ist. Es ist daher ein Irrtum, zu glauben, dass man eine Freiheit ohne Schmerzen haben kann.

AE: Wir halten diese Ansicht für sehr zynisch und menschenfeindlich.
Nd: Menschenfeindlich ist gerade das Gegenteil.
Denn, wer dem Publikum suggeriert, dass man eine Wellness-
Freiheit  haben könne, oder mit einem autoritären Staat das Heil schaffen könne, der wird am Ende noch viel
größeres Leid über die Menschen heraufbeschwören müssen, als dies andernfalls der Fall gewesen wäre.

AE: Wie wär’s stattdessen mit einem Mittelweg?
Nd: Der Mittelweg ist genau das, wofür wir plädieren.

AE: Nach Mittelweg hört es sich aber nicht an, wenn hier von der Abschaffung des Kündigungsschutzes geredet
wird?
Nd: Worin der Mittelweg konkret besteht, danach muss unter den gegebenen Umständen stets neu gesucht
werden. Und in einer Gesellschaft, wie der unseren, die sich im Rahmen der Globalisierung ihre Sozialstandards
kaum noch finanzieren kann, scheint es uns nötig zu sein, eher die Idee der Selbstbestimmung und der
unternehmerische Initiative zu stärken, als weiter auf eine Verwaltungsbevormundung zu setzen.

AE: Okay, wir haben verstanden.
Nd: Na, hoffentlich…
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Stichworte:

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Marktwirtschaft, Zähmung des Kapitalismus,
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