Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
You need Java to see this applet.
__________________________________________________________________________________________
Die Zeit der wirklich guten Jobs ist wohl vorbei
Dialog mit dem Alter Ego über den post-modernen Arbeitsmarkt, erster Entwurf erstellt am 08.10., veröffentlicht
am 12.10.2012
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE):
In Spanien demonstrieren die Menschen für einen würdigen
Arbeitsplatz („Un trabajo digno“). Gleichzeitig wird vom Kapitalismus, von Mitt Romney und von Noah denkt™ die
These vertreten,
dass erst einmal ein gewisser Sozialabbau betrieben werden muss, damit die Wirtschaft wieder
florieren kann, und so dann auch neue Arbeitsplätze entstehen können. Wir fragen uns allerdings, ob in einem
solchen Aufschwung dann tatsächlich genug gute und würdige Arbeitsplätze entstehen werden? Denn, wenn man
sich die Lage etwa in einer „emerging Economy“ ansieht, wo ja die Arbeitskosten durchaus niedrig sind, dann wird
man auch dort feststellen können, dass sich daraus kaum richtig gute Arbeitsplätze entwickeln.
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Da muss man natürlich zurückfragen, was unser Alter Ego unter einem wirklich
guten und würdigen Arbeitsplatz versteht?

AE: Na, ja, einfach gesagt, könnte man da drunter das Gegenteil von Billiglohnjobs, von Leiharbeit und von
Jahresvertragsanstellungen verstehen. Aber wir wollen ehrlich sein, denn uns persönlich würde es nicht mal
reichen, wenn wir tatsächlich eine Festanstellung (mit sozialer Sicherung und allem Drum und Dran) als
Versicherungsvertreter oder
Call Center Agent bekommen würden. Denn unserem Wesen, unserer Ausbildung
und unserem Selbstverständnis nach gehören wir auch in solche Arbeitsfelder einfach nicht rein.
Nd: Nun würden unsere Eltern zu einer solchen Haltung sagen, dass sie durchaus zu anspruchsvoll, um nicht zu
sagen, narzisstisch verdorben, ist. Immerhin haben sich letztere ja keineswegs gescheut, auch Arbeitsplätze
jenseits des eigenen Selbstverständnisses anzunehmen, um ihre Familien bestmöglich unterstützen zu können.
Kann man es da noch vor sich selbst vertreten, die gleiche Flexibilität selber nicht an den Tag legen zu wollen?

AE: Vielleicht müssen wir Noah denkt™ an dieser Stelle daran erinnern, dass wir derlei Flexibilität in unserer
Jugend durchaus gehabt haben. Immerhin haben wir uns seinerzeit ja auch nicht vor einer längeren Anstellung im
industriellen Drei-Schicht-Betrieb gedrückt. Allerdings sind wir jetzt an einem Punkt, wo wir derlei Kompromisse
aus vielen Gründen nicht mehr machen können und wollen.
Nd: Das kann man verstehen. Es bleibt allerdings die Frage, was denn jetzt noch als eine würdige, dem eigenen
Wesen, dem eigenen Werdegang und dem eigenen Selbstverständnis entsprechende Arbeit empfunden werden
kann?

AE: Na, ja, die grausame Wahrheit ist, dass wir uns eher im Prestige trächtigen Segment des Halbstaatlichen und
Öffentlich-Rechtlichen sehen, als in dem, des beinharten Verkaufens. Mit anderen Worten, wir brauchen eine
Tätigkeit, in der Allgemeinwohl-Bezüge ureigentlich zum Aufgabenfeld gehören, und wo es auch im Miteinander
ein gewisses Bildungs- und Kulturniveau gibt.  
Nd: Das würde bedeuten, dass wir hier in erster Linie von Arbeitsfeldern wie Wirtschaftsförderung,
Kulturförderung, Medienredaktion, Kammer- und Verbandstätigkeit, politisches Lobbytum,  Public Relations und
internationale Beziehungen reden?

AE: So ist das.
Nd: Okay, hier wird man wohl unumwunden zugeben müssen, dass es in diesen Bereichen in Zukunft immer
weniger Stellen geben wird. Oder anders formuliert, gut dotierte Stellen im, nennen wir ihn mal, zeremoniellen
Wohlfühlbereich wird auch ein von Mitt Romney inspirierter Aufschwung kaum schaffen können. Diese Zeiten von
damals scheinen in der Tat vorbei zu sein.

AE: Was sollen also die Mitmenschen in Zukunft machen, die eher für den analytisch-zeremoniellen
Wohlfühlbereich taugen?
Nd: Sie werden entweder über ihren eigenen Schatten springen, oder sich einen angemessenen Arbeitsplatz
selbst neu erfinden müssen.

AE: Und das soll funktionieren?
Nd: Warum nicht? Wir sind ja sogar der Auffassung, dass es gerade die Besten aus der untergegangenen Welt
des Halbstaatlichen sind, von denen wir uns in Zukunft die meisten konstruktiven Impulse für unsere Gesellschaft
erhoffen können.

AE: Warum das?
Nd: Weil die Betreffenden einen Vorteil haben, der mit Geld kaum zu bezahlen ist, nämlich den, in viele Bereiche
hineingesehen zu haben, vieles erlebt und reflektiert zu haben, und nun aus einer Position der Reife etwas Neues
schaffen zu können, und dies nicht mit hektischem Anfängergehudel aus dem Nichts leisten zu müssen.

AE: Hier soll also etwas geschaffen werden, was selbst die Absolventen fantastischer Elite-Unis, die heute schon
in gut dotierten Finanzjobs sitzen, nicht zu leisten vermögen? Und es soll etwas erfunden werden, was auch
Schriftsteller und Professoren nicht haben schaffen können, die ihrerseits nie etwas anderes, als Schriftsteller
und Professor haben sein wollen?
Nd: Wir meinen ja.

AE: Das erscheint uns verwegen und überzogen.
Nd: Na, wenn das so ist, dann bleibt für unser Alter Ego in der Tat nur noch eine Call Center-Arbeit übrig.
----------------------------------------

….P.S: Geneigte Leser seien an dieser Stelle daran erinnert, dass es ein ehemaliger griechisch-orthodoxer Priester war, der in dem
Coen-Brüder-Fim „Burn after Reading“ die Arbeit als Geschäftsführer einer Niederlassung der „Hardbody“-Fitness-Studio-Kette
übernahm…
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

Erinnering: Noah denkt™ ist ein Projekt des Landei Selbstverlages (Inh. Wilhelm Leonards). Die Rechte an allen Texten und
Beurteilungen, die unter der Bezeichnung Noah denkt™ veröffentlicht worden sind, sind Eigentum des Landei Selbstverlages (Inh.
Wilhelm Leonards), und der Nachdruck, die Vervielfältigung und die Weiterverbreitung der hier veröffentlichen Texte oder Teilen
daraus sind nur mit vorhergehender schriftlicher Genehmigung von Wilhelm Leonards erlaubt.

Selbstverständlich drücken die Auffassungen, die in den Beurteilungen und Texten auf dieser Webseite enthalten sind, alleine die
Ansicht des Verfassers aus. Sie entheben also niemanden von der Verantwortung, sich selbst ein eigenes Urteil zu bilden, und für
die daraus folgenden Taten und Werke auch selbst gerade zustehen. Was dies konkret bedeutet, das ist im
Disclaimer deutlich
ausgeführt.
__________________________________________________________________________________________
Stichworte:

Zukunft des Arbeitsmarktes, Arbeitsplaetze im Halbstaatlichen und oeffentlich-rechtlichen
Bereich, Arbeitsplaetze im Bereich der internationalen Beziehungen, Arbeitsplaetze im
Staatsdienst, Billiglohnjobs und Staatsdienst, Halbstaatliche Taetigkeit, offene Stellen im
Bereich des Halbstaatlichen, offene Stellen im Bereich der internationalen Beziehungen