Noah denkt™  -
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Schleimer und Streber gegen Rebellen und Experimentierer
Wo die Indignados der Puerta del Sol richtig liegen, erster Entwurf erstellt am 23.06., veröffentlicht am 24.06.2011
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    “Er ist ein Unternehmer und als solcher verpflichtet, nicht nur etwas, sondern alles zu wagen. Das Wagnis,
    meine Herren, sieht kühn, aber es sieht auch oft prahlerisch und lächerlich aus, weil es die einzig
    dastehende und beständige Aufgabe hat, niemandes Urteil zu scheuen. Was will das Wagnis in der
    Dachstube, im Laboratorium, im Heft, auf dem Zeichentische tun? Es entsteht an diesen Orten, aber wollte es
    da bleiben, wo es entstanden ist, so wäre es eine bloße, genusssüchtige Träumerei. Hinaus an das Licht der
    Welt muß es. Es muss sich zeigen, es muss die Gefahr, lächerlich und unbrauchbar befunden zu werden,
    besiegen, oder es muss von dieser Gefahr erdrückt werden. Was nützen der Welt die klugen Köpfe, wenn sie
    im Verborgenen dahinleben, was nützen die bloßen Erfindungen? Eine Erfindung ist eine Arbeit aber kein
    Wagnis, ein bloßer hoher Gedanke rüttelt nicht das Kleinste am bestehenden Bau der Welt. Die Ideen
    müssen sich verwirklichen”.
    Robert Walser. Der Gehülfe,(1908). Suhrkamp Taschenbuch 1998, Seite 174


Die Bewegung der Indignados, also der jugendlichen Demonstranten in Spanien und anderswo, gibt es vor allem
deshalb, weil es in der Tat so ist, dass sich im Arbeitsmarkt eher die angepasste Schleimer und Streber, als die
Rebellen, Experimentierer und Nachdenklichen durchsetzen. Dass dem aber so ist, wie es ist, und es eher die
braven Kommunionskinder und nicht die kreativen Zerstörer sind, die im Angestelltenverhältnis gute Karten
haben, das hat weniger mit dem Nepotismus und der Vetternwirtschaft zu tun, die es im Establishment sicher auch
gibt, sondern dass es so ist, das liegt zu allererst daran, dass die Menschen zu allen Zeiten mehr zur Risikoscheu
und Ängstlichkeit, als zum Wagemut und zur Innovation geneigt haben. Dagegen aber, dass es diese
anthropologische Neigung zur Vorsicht, ja zur Feigheit, im Menschsein gibt, dagegen wird man im Prinzip so viel
gar nicht sagen können. Denn sich an der Natürlichkeit der Natur zu stören, wäre ungefähr so sinnvoll, wie an der
Unendlichkeit des Kosmos zu verzweifeln.

So sehr man aber damit leben muss, dass der Mensch über sich selbst nicht wie selbstverständlich
hinauswachsen kann, so sehr wird man sich aber zurecht darüber empören müssen, dass es der real
existierende Kapitalismus nicht schafft, zu seiner scheinheiligen Halbherzigkeit ehrlich zu stehen, sondern sich
stattdessen die eigene Feigheit und Angst auch noch schönreden muss. Denn, wenn von diesem bürgerlichen
Arbeitsmarkt in einem fort behauptet wird, dass es ihm bei der Kandidatenauswahl vor allem um Leistungsstärke
und Effizienz gehe, dann wird man darüber nur lauthals lachen können. Denn natürlich sind es nicht vor allem die
artigen Streber und leichtfüßigen Schleimer, die uns die großen technischen und sozialen Durchbrüche
bescheren, sondern es sind die leidenschaftlichen Pioniere, die einsamen Idealisten, sowie die
unternehmensstarken Querdenker, die dies tun.

Da es aber so ist, wie es ist, und der schnelle nach wie vor dem grundlegenden Erfolg vorgezogen wird, wird man
den Indignados nur dafür dankbar sein können, dass sie die Verlogenheit der kapitalistischen Praxis neu
beleuchtet haben. Denn, wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die uns wiederholt darauf aufmerksam
machen, wie unaufrichtig die bürgerliche Gesellschaft letztlich ist, dann würde man am Ende selbst noch das
Opfer deren Selbstbetrugs werden.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

die Empoerung der Indignados, die Demonstranten der Puerta del Sol, die Indignados der Puerta
del Sol, Verlogenheit des Kapitalismus,
Verlogenheit des Arbeitsmarktes, Konservativismus,
konservative Neigung des Menschen,
das Konservative im Menschen