Noah denkt™ -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Über die Kunst der Empörung
Dialog mit dem Alter Ego über Mitleid mit Boat People, erster Entwurf erstellt am 08.10.,
veröffentlicht am 09.10.13
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    Ein Gedicht der Entrüstung
    (selbst verfasst 2013)

    Angesichts der wiederholten Unfälle afrikanischer Flüchtlinge vor der italienischen Küste
    hat der Papst gesagt, dass es eine globalisierte Gleichgültigkeit
    gegenüber dem Leiden der anderen gebe.
    Wie kann er das sagen?
    Immerhin sind wir doch genauso empört, wie er,
    über die Tragödie der Asylsuchenden.
    über Guantanamo,
    über die Gewalt im syrischen Bürgerkrieg,
    über den NSA-Abhörskandal,
    den Einfluss der Pharmalobby,
    die  Tierversuche
    und die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland.

    Doch damit nicht genug.
    Uns entrüsten auch die Bonuszahlungen im Finanzgewerbe,
    die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Bangladesh,
    die Abwesenheit eines Mindestlohns  im Friseurgewerbe,
    der Missbrauchsskandal in den christlichen Kirchen,
    die Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr,
    die Bunga-Bunga-Parties von Herrn Berlusconi,
    und der Shutdown des öffentlichen Dienstes in Amerika.

    Nein, vor lauter Empörung fällt es schwer,
    noch Gesprächsthemen zu finden, die uns nicht entrüsten.
    Denn über unsere Euphorie am Vorabend eines freien Tages,
    unseren Spaß an den alten Seinfeld-Episoden,
    den Genuss eines feinherben Rieslings,
    oder eine Sonnen durchflutete Etappe auf dem Eifelsteig
    kann man so recht nicht reden.
    Denn mehr, als eine bloße Erwähnung,
    geben die genannten Themen kaum her.

    Mit anderen Worten, wir brauchen unsern Ärger
    über die langen Wartezeiten im Gesundheitswesen,
    über die Geldverschwendung im öffentlichen Dienst,
    oder das Verkehrschaos am Kölner Ring,
    weil wir sonst nichts haben, was wir mit anderen teilen können.
    Von globalisierter Gleichgültigkeit kann jedenfalls keine Rede sein.
    Oder doch?



Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Die Tragödie der afrikanischen Boat People vor der italienischen
Küste bewegt derzeit die Gemüter in Deutschland und in Europa. Dabei wird insbesondere die Haltung Europas
gegenüber den Asyl suchenden Einwanderer aus Nord- und Schwarzafrika kritisiert. Man wirft der EU vor, dass
ihre Politik zwischen unterlassener Hilfeleistung einerseits und einer Wagenburgmentalität andererseits oszilliere.
Unter anderem meinen die Kritiker, dass es gerade der Protektionismus der EU im Agrarsektor sei, der es den
afrikanischen Staaten schwer mache, ihre eigene Wirtschaft vernünftig weiter zu entwickeln. Als leuchtendes
Beispiel dieser fehlgeleiteten Politik wird das Fischereiabkommen der EU mit Mauretanien angesehen. Denn hier
erkauft sich die EU mit einer zig-Millionen schweren Entschädigungen das Recht, das Meer vor der
mauretanischen Küste mit spanischen Trawlern abzufischen, während die mauretanischen Fischer wegen der
industriellen Konkurrenz aus dem Norden ihre Lebens- und Arbeitsgrundlage verlieren. Wie beurteilt Noah
denkt™ diese Kritik an der EU?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Die Kritik mag nicht ganz unberechtigt sein. Uns stört nur, dass diejenigen, die
der EU Protektionismus im Agrarsektor vorwerfen, gemeinhin dieselben sind, die ansonsten sowohl den
marktwirtschaftlichen Liberalismus ablehnen, als auch die hohe Arbeitslosenrate in Spanien als unzumutbar
ansehen. Mit anderen Worten, wir fragen uns in dieser Angelegenheit, wie die EU-Kritiker selbst mit der
Heterogenität ihrer eigenen Weltanschauung umgehen?

AE: Aber sind es wirklich dieselben, die sowohl das eine, als auch das andere kritisieren?
Nd: Es kommt uns schon so vor, als ob das so sei.

AE: Kann es denn einen Zweifel geben, dass die Reform des Agrarsektors in der EU nicht schon längst überfällig
ist?
Nd: Nun, wer den Agrar-Protektionismus der EU kritisiert, sollte wissen, dass diese Politik gerade deshalb
entstanden ist, weil man es den hiesigen Landwirten nicht zumuten wollte, sich einem kaltherzigen Wettbewerb zu
stellen, auf den sie weder emotional, noch kulturell, noch betriebswirtschaftlich vorbereitet sind. Denn natürlich
kann man die Lebensweise von Landwirten nicht mit der, des gemeinen Callcenter-Mitarbeiters vergleichen. Denn
während letzterer in der Tat relativ leichtfüßig und ungebunden unterwegs ist, und mithin wirklich die Fähigkeit
hat, alle Nase lang den Job zu wechseln, haben wir es in der Landwirtschaft mit Trachten tragenden
Familienmitgliedern zu tun, die eben nicht mal hier hin und dahin springen können, wenn der Opportunismus dies
verlangt.

AE: Allerdings hat sich mittlerweile auch die Landwirtschaft verändert. So ist der traditionelle Bauer doch längst
verschwunden, und vom weltgewandten Agrarmanager ersetzt worden.
Nd: In Niedersachsen mag das so sein, aber ob das in Ober- und Niederbayern, in Rioja oder der Auvergne
ebenfalls der Fall ist, das können wir nicht beurteilen.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ will sich eines Urteils in dieser Protektionismusfrage enthalten?
Nd: Wir wollen lediglich zur Vorsicht mahnen, und alle Beteiligten auffordern, nicht immer gleich einen
Sündenbock für dies und das zu suchen.

AE: Na ja, die EU-Kritik kommt halt aus der Empörung, welche die Menschenrechtler empfinden, wenn sie sich
das grausam Schicksal der afrikanischen Boat People vor Augen führen.
Nd: Okay, aber die Empörung an sich, kann ja kein Selbstzweck sein. Immerhin muss man ja fast davon sprechen,
dass es so was, wie eine Inflation der Empörung gibt. Da wird man schon aufpassen müssen, dass man es mit
seiner Entrüstung nicht übertreibt.

AE: Wie kann man von Übertreibung sprechen, wenn Menschen auf derart tragische Weise zu Grunde gehen, wie
dies bei den afrikanischen Flüchtlingen vor der italienischen Küste der Fall ist?
Nd: Unser aller Leben hat Aspekte der Unmenschlichkeit und Grausamkeit. Es wäre verfehlt, zu glauben, dass
man an dieser Grundtatsache groß was ändern könnte.        
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

globalisierte Gleichgueltigkeit, Inflation der Empoerung, Mitleid der Menschenrechtler, Empoerung über Unrecht in
der Welt, Tragoedie der afrikanischen Asylsucher, globalisierte Indifferenz, Mitleid und Gleichgueltigkeit, Mitleid in
atomisierter Welt
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