Noah denkt™ -
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Das Ende der Fiktion des sauberen Sports?
Dialog mit dem Alter Ego über staatlich sanktioniertes Doping in Westdeutschland, erstellt und veröffentlicht am
04.08.2013
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Tagen werden
wissenschaftliche Erkenntnisse publik,
wonach es in den 70er Jahren auch in Westdeutschland ein „systemisches“, also vom Staat bewusst
mitgetragenes Doping im Leistungssport gegeben hat. Am vergangenen Samstag wurden im „Aktuellen
Sportstudio“ des ZDF Ton- und Bilddokumente gezeigt, in denen ein Staatssekretär des Bundesministeriums
des Inneren sinngemäß darlegt, dass die Bundesrepublik es grundsätzlich in Ordnung findet, wenn, etwa im
Rahmen der Arbeit von Prof. Keul und Klümper, Leistung steigernde Mittel eingesetzt werden, sofern sie die
Gesundheit der Athleten nicht negativ belasten. Wie bewertet Noah denkt™ diese neuen, und recht unstrittigen
Erkenntnisse der historischen Sportwissenschaft?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Es ist extrem wichtig, dass endlich ehrlich und ohne Heuchelei über diese
Themen gesprochen wird. Wir können uns nämlich noch gut an die Olympischen Spiele 1972 und an unsere
freudige Verwunderung damals erinnern, als es Heide Rosendahl, Hildegard Falk und Klaus Wolfermann
plötzlich gelang, die übermächtig erscheinende Konkurrenz aus dem Osten (etwa, die von Renate Stecher und
Janis Lusis) zu bezwingen. Wir waren damals natürlich naiv, und dachten, es liegt am Heimvorteil, dass unsere
westdeutschen Athleten derart über sich hinausgewachsen sind. Mittlerweile aber sind wir zynisch genug
geworden, um etwa den Goldregen, den sich die Briten kürzlich in London 2012 beschert haben, unter einem
anderen, weniger schmeichelhaften Licht zu sehen.

AE: Geht Noah denkt™ also davon aus, dass in Sachen Doping im breiten Stil geheuchelt wird?
Nd: Davon muss man nach den neuen Erkenntnissen wohl ausgehen. Denn im Rückblick kann man es
natürlich verstehen,
wenn die Bundesrepublik zu Zeiten des Kalten Systemkonflikts zu dem Ergebnis kommt,
dass man es dem Steuerzahler nicht zumuten kann, mit nationalem Aufwand eine weltweit beachtete
Veranstaltung zu organisieren, bei der die braven, westdeutschen Jungs und Mädels nur hoffnungslos
hinterher laufen, während die bösen Brüder aus dem Osten, ob ihrer eigenen, unsauberen Methoden, eine
Medaille nach der anderen einheimsen.  Oder kann man es tatsächlich für möglich halten, dass China, das
Vereinigte Königreich, die USA, und demnächst auch Brasilien so selbstlos sind, mit exorbitantem
Finanzaufwand ein super Medienereignis bei sich zu inszenieren, ohne dabei auch darauf zu achten, dass dem
heimischen Publikum auch genug heimische Sieger präsentiert werden?  Oder noch anders gesagt: Es ist wohl
schwer vorstellbar, dass irgendeiner der genannten Staaten gänzlich ehrlich ist, weil er ja mit einigem Recht
davon ausgehen kann, dass bei anderen teilnehmenden Nationen auch nicht ganz und gar sauber gearbeitet
wird.

AE: Aber ist es nicht so, dass alle Dopingsünder stets befürchten müssen, dass irgendwann ihre Missetat
enthüllt wird?
Nd: Das ist sicher so. Allerdings ist es gerade für junge Leute gar nicht leicht, sich immer neu zu motivieren,
wenn die Belohnung für die eigene, saubere Leistung, wenn überhaupt, erst zehn oder zwanzig Jahre nach
dem Karriereende kommt. Denn, wie soll jemand die Kraft haben, unter Dauerdruck sauber zu bleiben, wenn er
auf Grund der notorisch hinterhinkenden Anti-Doping-Praxis, seine Sauberkeit gar nicht unzweifelhaft beweisen
kann?

AE: Dennoch wird es doch nicht so sein, dass alle Spitzensportler dopen?
Nd: Natürlich nicht. Aber der Zuschauer weiß halt nicht, wer gedopt ist und wer nicht. Man ist da weitgehend auf
seine eigene Spekulation angewiesen.

AE: Die Situation ist also ganz schön vertrackt?
Nd: Absolut.

AE: Und gibt es einen Ausweg?
Nd: Vielleicht den,  zwei verschiedene Veranstaltungen einzurichten, einmal für die Sportler, die sich offen
dopen wollen, und dann für die, die das bewusst nicht wollen.

AE: Aber wäre das wirklich praktikabel? Wie würde man denn dann entscheiden können, wer wirklich der
schnellste Mensch auf der Welt ist? Und wer würde uns die Sicherheit geben, dass die Sauberen wirklich
sauber sind?  
Nd: Keine Ahnung. Vielleicht müsste man einfach sehen, wie es auf der zweigleisigen Bahn läuft, um dann zu
entscheiden, wie man weiter verfährt.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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