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Die Fassungslosigkeitsorgie
Aperςu zur Berichterstattung über die Bekenntnisse des Amokläufers Cho Seung-Hui, 20.April 07
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Es ist schon erstaunlich, dass es dpa und den deutschen Fernsehnachrichten im vorliegenden Fall mehr darum
gegangen ist, dem Publikum zu versichern, dass der Amoktäter psychisch gestört war, als dass man sich hier
gefragt hätte, wie es denn zu dieser Störung gekommen ist. Denn allein mit dem Ausdruck einer eigenen
Fassungslosigkeit, da wird man die Zahl zukünftige Massenmorde sicher nicht vermindern können. Denn zu sehr
wird man der Öffentlichkeit auf diese Weise zu verstehen gegeben haben, dass sich um ein Verständnis dieser
Außenseiter gar nicht erst bemühen muss, als dass sie die Zahl der Ausgegrenzten jetzt noch wird verkleinern
können.

Nein, wer diese Art von Blutvergießen tatsächlich reduzieren will, der wird es nicht dabei belassen können, die
Täter nur als unzurechnungsfähig zu den Akten zu legen, sondern der wird versuchen müssen, gerade den Weg
in diese Unzurechnungsfähigkeit zu verstehen. Denn nur, wenn er dieses tut, dann wird er den noch vorhandenen
Extremisten auch das Gefühl geben können, dass ihre Isolation nicht vollkommen ist. Und so wird er in diesem
Fall den einen oder anderen Mord tatsächlich auch verhindern können. Denn zu sehr wird er sich mit deren
Denken nun selber auch beschäftigt haben, als dass er daraus jetzt nicht auch die rechten Schlüsse ziehen kann.

Da dem aber so ist, wie es ist, und man es sich hier auf keinen Fall wird leicht machen dürfen, da wird man im
vorliegenden Amoklauf nur zu dem Ergebnis kommen können, dass es offensichtlich ein Kulturproblem gewesen
ist, welches das aktuelle Blutvergiessen geschaffen hat. Denn zu sehr hat sich in diesem Fall wieder einmal
gezeigt, dass es für Menschen mit arabisch-asiatischen Migrationshintergrund kein Leichtes ist, sich in der
extrovertierten Selbstverliebtheit des Westens zurecht zu finden, als dass man sich diese Letztere nicht gerade
jetzt selber auch verbieten muss.

Nein, wer auch in dieser Frage der Wahrheit die Ehre geben will, der wird erkennen müssen, dass es vor allem
der oberflächliche Narzissmus unserer Sonnenbrillensuperstarwelt ist, der dem Terrorismus erst die Nahrung gibt.
Und so wird er sich gerade in diesem Punkt auch um Bescheidenheit und Demut bemühen müssen. Denn zu sehr
wird er nur so dem Islamismus auch die Spitze nehmen können, als dass er sich diese Zurückhaltung jetzt noch
wird ersparen können.
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