Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
You need Java to see this applet.
__________________________________________________________________________________________
Warum es falsch ist, die Credit Default Swaps abschaffen zu wollen
Zehn Grűnde gegen den aktuellen EU-Mehrheitskonsens, erstellt und veröffentlicht am 11.03.10
(siehe auch Teil II dieser Litanei: Űber die Kritik am Spekulantentum)
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Es scheint sich in der Europäischen Union ein Konsens dergestalt zu entwickeln, dass man die ins Gerede
gekommenen Credit Default Swaps (also die Derivate zum Absichern eines Kreditausfalls) mit dem Hinweis auf ein
gemeingefährliches Spekulantentum verbieten will. Nun muss Noah denkt™ zugeben, dass es, wie alle anderen
Politiker auch, noch nie ein solches Derivat in der Hand gehalten hat.  Dennoch meinen wir, dass man kein
Finanzexperte sein muss, um zu erkennen, dass der auch von Frau Merkel  unterstűtzte Verbotsvorschlag falsch
ist. Die Grűnde dafűr sind die folgenden

Erstens, sind es nicht die CDS gewesen, die die Schuldenkrise der Staaten (Griechenland, Spanien, Portugal
etc...) hervorgerufen haben. Allenfalls wird man sagen können, dass die CDS diese Krise verschärft haben.
Hauptauslöser fűr die Verwerfungen aber war der Verlust von Vertrauen und Glaubwűrdigkeit, der nicht zuletzt
durch eine unaufrichtige Haushalts- und Schuldenpolitik der Staaten (Stichwort Griechenland) zustande
gekommen ist.

Zweitens, kann man sich kein feinfűhligeres Frűhwarnsystem als die Kreditausfallpapiere denken, um die Stabilität
eines Kreditnehmers einschätzen zu können. Denn immerhin sind es hier ja die unterschiedlichsten
Marktteilnehmer, die sich mittels ihrer Kaufs- und Verkaufsposition zu dem betreffenden Fall äussern. Die
Auffassung jedenfalls, das selbige Frűhwarnfunktion auch von unbekannten Bűrokraten űbernommen werden
kann, ist verfehlt. Denn die Richtigkeit dieser Expertenmeinung  wird vom Kreditnehmer viel leichter in Frage
gestellt werden können, als dies bei einem entpersönlichten Marktpreis der Fall ist.

Drittens, kann man sich kein besseres Disziplinierungsinstrument denken, dass die Regierung erfolgreicher
dazubringen könnte, nun endlich die notwendigen Sparmassnahmen einzuleiten. Denn, wer die Diskussion der
letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, dem wir nicht verborgen geblieben sein, dass Griechenland erst dann
ernsthaft damit begonnen hat, seine Schulden abzubauen, als ihm die Kosten eines weiteren Schuldenmachens
deutlichst vor Augen gefűhrt worden sind.

Viertens, wer fűr staatliche Verbote ist, sollte bedenken, dass jeder Eingriff in ein gewachsenes System,
seinerseits wieder Verwerfungen produziert, deren Ausmass zum Zeit der Verbotsverkűndung noch gar nicht
abzuschätzen ist. Schliesslich gibt es die CDS-Papiere ja nicht wegen einer űblen Laune der Natur, sondern
hiermit sollte ein echtes Bedűrfnis, nämlich die Minimierung eines Investmentrisikos, bedient werden. Wer es also
verhindern will, dass das Risiko einer Kreditvergabe in Zukunft dadurch verringert wird, dass man es mittels CDS
auf mehrere Schultern verteilt, der wird sich darűber im Klaren sein műssen, dass nun auch weniger Kredite
fliessen werden. Dass damit die Schaffung von Arbeitsplätzen keineswegs gefördert wird, wird man leicht
einsehen können.


Man wird also, fűnftens, davon ausgehen műssen, dass ein Verbot der CDS wachstumshemmende Wirkungen
haben wird. Dies aber ist angesichts des Umstandes, dass sämtliche Staaten nun dringend ein höheres
Wachstum brauchen, um ihren dramatischen Schuldenstand abbauen zu können, alles andere als
begrűssenswert.

Sechstens, wer dem Spekulantentum kritisch gegenűber steht, sollte bedenken, dass es kein menschliches
Handeln, geschweige denn ein unternehmerisches Agieren gibt, dass ohne Spekulation auskommt. Denn schon
die Frage, ob ich einen Regenschirm mitnehmen soll oder nicht, ist ohne Spekulation nicht zu lösen. Wer also die
Spekulation verteufelt, der unterstűtzt im Grunde eine Tatenlosigkeit, die niemandem zu Gute kommen wird.

Ausserdem sollte man sich, siebtens, darűber im Klaren sein, dass man mit einer Spekulation, die sich
schliesslich als falsch erweist, kein Geld verdienen kann. Wer also darauf setzt, dass Griechenland seinen
Schuldendienst nicht wird leisten können, der wird nur dann auch mit den CDS Geld verdienen, wenn es
tatsächlich zu diesem Staatsbankrott kommen wird. Mit anderen Worten, es liegt in der Hand der griechischen
Regierung, dafűr zu sorgen, dass diejenigen, die gegen sie gewettet haben, am Ende auch dafűr bestraft
werden. Was daran unfair sein soll, ist in der Tat nicht zu erkennen.

Vielmehr wird man, achtens, darauf verweisen műssen, dass Spekulanten immerhin bereit sind, fűr ihre Meinung
auch mit einem gewissen Verlustrisiko gerade zu stehen. Damit aber unterscheiden sie sich nicht wenig von so
manchem anderen Schwätzer, der zwar seine Meinung zu Gehör bringen will, dafűr aber keinerlei materielle
Gewähr leisten will. Wer also dafűr ist, dass nicht nur geredet, sondern auch getan wird, der wird mit seine Kritik
nicht bei den Spekulanten beginnen dűrfen.

Vor allem aber wird man den EU-Regulierungsbefűrwortern, neuntens, sagen műssen, dass es im Zweifel besser
ist, sich der Freiheit zu stellen, als vor ihr mit diesem und jenen Verbot davonzulaufen. Denn wer den Wandel
wirklich sozialverträglich beherrschen will, der wird sich nicht vor ihm verstecken dűrfen, sondern sich ihm mit
seinem ganzen Selbstvertrauen űberantworten műssen. Denn nur, wer dieses tut, der wird darin auch seine volle
Schaffenskraft entwickeln können. Und so wird er in diesem Fall das Neue auch erträglich machen. - Wer aber
den Wandel mit Verboten eindämmen will, der wird damit nur erreichen, dass sich derselbe am Ende mit noch
grösserer Gewalt seine Bahn brechen wird, als dass er dies getan hätte, wenn man ihm von Vorneherein einen
freien Lauf gelassen hätte. Denn der Wandel wird am Ende immer siegen.

Nein, nein, wenn es, zehntens, űberhaupt etwas gibt, dass man an den Credit Default Swaps aussetzen kann,
dann ist dies der Umstand, dass man sie erwerben kann, ohne den Ausgangspunkt ihrer Existenz auch besitzen
zu műssen. Denn in der Tat ist es nur schwer einsehbar, warum es vernűnftig sein soll, dass jemand eine
Versicherung gegen Hausbrand abschliesst, der selbst gar kein Haus besitzt. Genau so aber wird im CDS-Markt
verfahren. Denn hier wird auch derjenige Versicherungen gegen ein Nichtbegleichung der griechischen
Staatsschulden abschliessen können, der selbst kann kein Griechenlandgläubiger ist. Dass dies zumindest
merkwűrdig ist, das wird man durchaus einräumen können.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

Erinnering: Noah denkt™ ist ein Projekt des Landei Selbstverlages (Inh. Wilhelm Leonards). Die Rechte an allen Texten und
Beurteilungen, die unter der Bezeichnung Noah denkt™ veröffentlicht worden sind, sind Eigentum des Landei Selbstverlages (Inh.
Wilhelm Leonards), und der Nachdruck, die Vervielfältigung und die Weiterverbreitung der hier veröffentlichen Texte oder Teilen
daraus sind nur mit vorhergehender schriftlicher Genehmigung von Wilhelm Leonards erlaubt.

Selbstverständlich drücken die Auffassungen, die in den Beurteilungen und Texten auf dieser Webseite enthalten sind, alleine die
Ansicht des Verfassers aus. Sie entheben also niemanden von der Verantwortung, sich selbst ein eigenes Urteil zu bilden, und für
die daraus folgenden Taten und Werke auch selbst gerade zustehen. Was dies konkret bedeutet, das ist im
Disclaimer deutlich
ausgeführt.
__________________________________________________________________________________________
Stichworte:

Verteidigung der Credit Default Swaps, Funktion der Kreditausfallversicherungen, Funktion der
Credit Default Swaps
, Sinn der Kreditausfallversicherungen, Wachstum durch Credit
Default Swaps
, bessere Verteilung des Risikos, Kritik der Credit Default Swaps