Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Geht Marktwirtschaft und Kapitalismus auch ohne Schleimen?
Verkaufsdialog mit dem Alter Ego, erster Entwurf erstellt am 11. Feb., veroeffentlicht am 15. Feb. 2012
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    Da draußen wartet eine Menge Geld. Es kann sein, dass es sich am anderen Ende der Welt befindet oder dass es von
    Familien gehalten wird. Du musst strategisch denken: Wenn du eine völlig neue Art entdeckt hast, wie sich ein
    Kühlschrank konstruieren lässt, kannst du nicht nur potenzielle Geldgeber in Berlin ansprechen. Natürlich gibt es
    Produkte, für die sich kein Markt findet. Ich glaube aber: Für eine wirklich heiße Idee lässt sich fast immer ein
    Finanzierer finden.
    Julie Meyer, Ariadne Capital

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In der Online Ausgabe der „Welt“ erschien am 11. Februar ein
Gespraech mit Julie Meyer, der Vorstandsvorsitzenden der Wagniskapitalfirma Ariadne Capital. (
"Unsere 40-
Stunden-Woche in Europa ist lächerlich") Darin sagt sie den oben zitierten Satz vom Geld, dass „da draussen“ in
Mengen vorhanden ist. Hat Noah denkt™ dieses Interview gelesen?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Ja, wir sind drűber geflogen.

AE: Und was hält Noah denkt™ von der in Rede stehenden These, wonach man die Geldgeber nur finden muss,
denn vorhanden und gebewillig sind die Betreffenden im Prinzip schon?
Nd: Die oben zitierte Aussage ist sicher richtig. Allein wir fragen uns, ob man derlei Unterstűtzung wohl auch
kriegen kann, wenn man sich nicht wie ein Hausierer anzubiedern bereit ist?

AE: Was ist so schlimm daran, einem potenziellen Geldgeber das eigene Projekt vorzustellen? Ist es nicht recht
und billig, dass dieser potenzielle Investor erwartet, dass man ihm sein Vorhaben erklärt?
Nd: Na, ja, das Problem ist, dass man auch bei den angeblich gebewilligen Investoren schon um Aufmerksamkeit
buhlen muss.

AE: Noah denkt™ sieht es also als unzumutbar an, dass man jemanden anschreibt, um ihn um Unterstűtzung fűr
das eigene Vorhaben zu bitten?
Nd: Na, ja, Grenzen gibt’s da schon.

AE: Wieso?
Nd: Weil es in der Regel so ist, dass man den Betreffenden, den man da anschreibt, nicht persönlich kennt; weil
auch der Angeschriebene, keine Ahnung hat, wer denn derjenige da ist, der ihn hier kontaktiert; weil es meistens
keinerlei vorherige Einverständniserklärung seitens des Angeschriebenen gibt, dass man sich doch ruhigen
Gewissens an ihn wenden könne; weil man bei dem Beműhen dessen Aufmerksamkeit zu bekommen, stets in
scharfem Wettbewerb mit anderen Hilfesuchenden steht, die exakt dassselbe, nämlich Geld und Zuspruch wollen;
und weil diese Konkurrenzsituation in der Wirklichkeit dazu fűhrt, dass es in der Regel nicht der Inhalt der
Projekte, sondern das äussere Erscheinungsbild desselben ist, welches darűber entscheidet, ob man sich mit ihm
näher befassen will oder nicht.

AE: Okay, okay, aber so ist das nun Mal in einer Massengesellschaft, die ihrerseits ja die notwendige Folge von
demokratisch-marktwirtschaftlichen Strukturen ist. Mit andern Worten, es ist wenig kohärent einerseits, so wie
Noah denkt™ das tut, fűr die Demokratie einzustehen, andererseits aber, die Realität derselben abzulehnen.
Nd: Nun wir lehnen die Praxis der Massengesellschaft keineswegs ab. Wir haben nur unsere Schwierigkeiten
damit, darin genau so sehr zu betteln und zu schleimen, wie das der Wettbewerb wie selbstverständlich zu tun
scheint.

AE: Wenn betteln doch so unanstössig geworden ist, wie Noah denkt™ des behauptet, wieso kann es dann noch
ein Problem sein, sich derselben Technik nicht auch ruhigen Gewissens zu bedienen?
Nd: Weil wir uns dafűr zu schade sind; weil uns die herablassende Art nicht gefällt, mit der uns die Entscheider
zumeist begegnen; und weil es nach unserem Verständnis zur Menschenwűrde gehört, nicht betteln zu műssen.

AE: Noah denkt™ meint also, das im Betteln ein Element der (Selbst-)Erniedrigung  steckt?
Nd: Absolut. Denn im Gegensatz zu denen, denen es nichts aus zu machen scheint, wenn man ihnen so oder so
eine Abfuhr erteilt, identifizieren wir uns mit unserem Projekt. Das heisst also, dass eine Absage in unserem Fall
unwillkűrlich dazu fűhrt, dass man sie so  empfindet, als wűrde man uns persönlich nicht fűr wűrdig halten. Das
mag bei denen, die zwar so tun, als ob ihnen eine Sache am Herzen liegt, denen es aber letztlich nicht so wichtig
ist, ob es nun dieses oder jenes Projekt ist, fűr dass sie sich einsetzen, anders sein.

AE: Sicher ist es auch fűr Leute, die weniger narzisstisch sind, nicht angenehm, sich eine Abfuhr zu holen. Aber
der Unterschied ist doch, ob man sich von der Möglichkeit eventueller Absagen die Luft zum Atmen nehmen lässt,
oder nicht. Mit anderen Worten, es erscheint uns so, als ob der Stolz von Noah denkt™ so gross ist, dass er
sogar die Existenz seiner selbst infrage stellt. Das kann im Sinne der Schöpfung nicht richtig sein.
Nd: Die Bewahrung der Schöpfung macht nur Sinn, weil sie an Werte gebunden ist.  Es kann also nicht vernűnftig
sein, die eigenen Werte zu verraten, nur um das Űberleben sicherzustellen.

AE: Es ist offensichtlich, dass wir in dieser Debatte auf keinen grűnen Zweig kommen.
Nd: So ist das wohl.

AE: Deshalb zum Abschluss:: Wie muss denn nun die im Titel gestellte Frage beantwortet werden?
Nd: Aus unserer Sicht muss die Antwort so lauten: Entweder es ist möglich, im Kapitalismus auch ohne Schleimen
Erfolg zu haben,
oder der Kapitalismus selbst wird am Ende zum Untergang bestimmt sein.

AE: Soweit die heiligen Worte.
Nd: Ja, soweit die heiligen Worte.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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