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Zum angekündigten Rückzug von Tony Blair
Kommentar zum Ende der Ära Blair, erstellt am 11.05.07
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Eigentlich gibt es über den Herrn Blair nichts weiter zu sagen, als dass wir bis heute davon überzeugt sind, dass
er den Irakkrieg nicht deshalb unterstützt hat, weil er der neokonservativen, amerikanischen Argumentation
gefolgt ist, sondern, weil er verstanden hat, dass er aus nationalen, britischen Interessen, nicht die spezielle
Beziehung gefährden darf, die das Vereinigte Königreich seit Anbeginn mit den USA verbindet. Denn zu sehr hat
man in England bis heute nicht vergessen, dass Amerika die Briten zweimal vor den Teutonen gerettet hat, als
dass man den atlantischen Partner jetzt noch so ohne weiteres wird verprellen können.

Da dem aber so ist, wie es ist, und es in dieser Frage nicht zuerst die Angst vor dem Irak, sondern die Frucht vor
der Unwägbarkeiten des kontinentaleuropäischen Festlands gewesen ist, die die britische Seele beherrscht hat,
da wird man es dem Herrn Blair auch nicht verübeln können, dass er sich in Sachen Irak seine eigene
PR-Verkaufsstrategie so oft eingeredet hat, dass er sie schließlich selber auch hat glauben können. Denn zu
sehr hat er in dieser Angelegenheit gar keine andere Wahl gehabt, als dass man ihm seinen Selbstbetrug jetzt
noch wird vorwerfen können.

Für unser deutsches Vaterland aber bedeutet dies, dass es sich von rituellen Freundschaftsbeteuerungen nicht
allzu sehr vereinnahmen lassen darf.  Denn zu sehr wird es sich damit selber nur belügen müssen, als dass es
seine Vergangenheit jetzt noch wird bewältigen können.

Nein, wenn Deutschland wirklich dafür sorgen will, dass die Skeptischen die Angst vor ihm tatsächlich auch
verlieren, da wird es sich nicht damit begnügen können, nur weiter so zu tun, als ob man eine Demokratie sei,
sondern dann wird es auch in der eigenen Gesellschaft endlich damit beginnen müssen, eine egalitäre
Unvoreingenommenheit zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Denn nur, wenn man den Stände- und
Obrigkeitsstaat auch in seinem Herzen überwinden kann, dann wird man eine wahre Lässigkeit entwickeln
können. Und so wird man in diesem Fall seine unnahbare Bürokratenplumpheit auch tatsächlich ablegen können.
Denn zu sehr wird man nun auch die Nichtanerkannten noch beachten wollen, als dass man diesem Charme jetzt
noch widerstehen kann.

Solange aber so ist, und sich die Eliten hierzulande für wichtiger und bedeutender nehmen, als jeden anderen
Bürger auch, solange wird es eine wahre Zivilcourage bei uns auch gar nicht ehrlich geben können. Und so wird
man uns im Ausland auch weiterhin nicht trauen können. Denn zu angestrengt und pompös werden wir uns dann
auch künftig inszenieren müssen, als dass man sich an uns jetzt schon wird erfreuen wollen.

So wird man denn dem Herrn Blair am Ende dafür danken müssen, dass er uns die Wahrheit auf seine Art
vermittelt hat. Denn zu sehr hat er uns damit doch die eigentliche Herausforderung beschrieben, als dass wir uns
an derselben jetzt nicht auch versuchen sollten.  
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