Noah denkt™ - Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Die Antwort ist der kapitalistische Existenzialismus
Offener Brief an Prof. Zygmunt Bauman (Consuming Life, Cambridge, 2007), erster Entwurf erstellt am
23.02., veröffentlicht am 03.03.2008
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Sehr geehrter Herr Bauman,
Sie haben recht, wenn Sie unser Zeitalter als eines beschreiben, das dem grenzenlosen Konsum verfallen ist.
Und in der Tat wird man es nicht leugnen können, dass dieser Konsumismus in jeder Hinsicht bedenkliche Folgen
zeitigt. Denn zu wenig Raum ist darin noch vorhanden, um űber die unmittelbaren Eigennöte wie
selbstverständlich hinauszugreifen, als dass man diese jetzt noch so ohne weiteres vernűnftig wűrde managen
können.
Da dem aber so ist, wie es ist, und die zerstörerischen Konsequenzen dieser Oberflächlichkeit unstrittig sind, da
wird man es nun nicht mehr dabei belassen können, die vorhandene Misere nur zu beschreiben, sondern man
wird auch in dieser Situation noch von sich erwarten műssen, hierin einen gangbaren Ausweg zu finden. Denn zu
sehr wűrde man sich doch sonst der Hoffnungslosigkeit verschrieben haben, ls dass man diese jetzt noch wűrde
bewältigen können.
Da es nun aber so ist, und Sie, lieber Herr Prof. Bauman, uns diesen Rettungsanker bis dato nicht gewiesen
haben, da erlauben wir uns an dieser Stelle, ihnen den unserigen zuzuwerfen. Denn zu sehr meinen wir doch,
dass die von ihnen dargelegte Not nur durch einen kapitalistischen Existenzialismus űberwunden werden kann,
als dass wird uns diesen Vorschlag jetzt noch wűrden verbieten können.
Tatsächlich ist es nämlich so, dass es nicht der Kapitalismus selber ist, der die Menschen in den Materialismus
treibt, sondern, dass es vielmehr deren eigene Kleingläubigkeit ist, die sie vor einer wahren Selbsterkenntnis
abhält. Und so wird man denn auch gar nicht ausserhalb der Freiheit nach anderen Lösungen suchen műssen.
Denn zu sehr wird man damit die eigentlichen Probleme doch verkennen műssen, als dass man diese jetzt noch
ohne weiteres wird meistern können.
Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird sehen müssen, dass es nicht der Markt ist, der die
Oberflächlichkeit produziert, sondern, dass es vielmehr die Angst davor ist, diesen vernünftig zu nutzen, der die
Menschen in den Konsumismus treibt. Und so wird man sich am Wettbewerb auch gar nicht so sehr stören
müssen. Denn zu sehr wird man sich nur mit ihm die Ehrlichkeit erhalten können, als dass man sich vor seiner
Herausforderung jetzt noch wird verstecken dürfen.
Da dem aber so ist, wie es ist, und es vor allem die eigene Not ist, an der man wahrlich wachsen kann, da wird
man dem Publikum nun nicht mehr anempfehlen können, sich ihren Furchtsamkeiten gar nicht erst zu stellen,
sondern man wird ihnen gerade jetzt am eigenen Beispiel beweisen műssen, dass man diese Existenzängste
tatsächlich uch besiegen, und gerade so die eigenen Versorgung sichern kann. Denn zu sehr wird man nur auf
diese Weise die eigene Unabhängigkeit auch finden können, als dass man sich dieser Feuerprobe jetzt auch
noch enthalten kann.
So wird man denn zum Abschluss dieses Kommentars, Sie, Herrn Bauman bitten műssen, nicht länger an der
Schmerzlichkeit der aktuellen Umstände zu verzweifeln, sondern gerade diese Verzweiflung nun zu nutzen, um
űber sich selbst hinauszuwachsen. Denn zu sehr wird man nur so das Daseinselend auch ertragen können, als
dass man sich dieses Existenzrisiko jetzt noch wird ersparen können.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein
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