Noah denkt™  -
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Aufklärung funktioniert besser, als Verbote
Dialog mit dem Alter Ego zum Finanzcheck der Stiftung Warentest, erster Entwurf erstellt am 21.07.,
veröffentlicht am 27.07.2010
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Am 20.07.2010 hat die Stiftung Warentest die Ergebnisse einer
Untersuchung vorgestellt, in der die Qualität der Anlageberatung von Banken und Sparkassen unter die Lupe
genommen wurde. (Siehe dazu auch die Zeitschrift Finanztest, Ausgabe 08/2010) Wie zu erwarten war, kam
dabei heraus, dass die Anlageberatung der Banken keineswegs zufrieden stellend ist. Immerhin werden hier
sogar gesetzliche Auflagen, wie die der Aushändigung eines Beratungsprotokolls, missachtet. Welche Meinung
hat Noah denkt™ von dieser Studie?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir halten die Stiftung Warentest für eine der besten Einrichtungen, die es in der
Marktwirtschaft gibt. Wir meinen nämlich, dass mit der Arbeit, die hier geleistet wird, der Markt viel besser reguliert
werden kann, als dies Gesetze und Verbote zu leisten vermögen. Denn diese Gesetze sind mittlerweile ja ohnehin
so komplex und vielfältig geworden, dass selbst Experten da kaum noch durchsteigen können (Beispiel:
Steuerrecht). Wir könnten uns deshalb vorstellen, dass man das Prinzip der Stiftung Warentest auch auf andere
Bereiche überträgt, um dort bestehende Ungereimtheiten besser in den Griff zu bekommen.

AE: Welche Probleme hat Noah denkt™ diesbezüglich im Sinn?
Nd: Nehmen wir mal das Thema Kündigungsschutz. Hier gibt es im derzeitigen System einen Interessenkonflikt,
der aus unserer Sicht schlecht gelöst ist. Denn so sehr man auch verstehen kann, dass Mitarbeiter nicht ohne
weiteres auf die Straße gesetzt werden wollen, so sehr wird man gleichzeitig auch erkennen müssen, dass
Unternehmen in der Tat flexibel bleiben müssen, um eventuelle Nachfrageschwankungen durch Reduzierungen
der Lohnausgaben ausgleichen zu können. Nun wird bis dato noch versucht, dieses Problem mit bürokratischen
Kurzarbeitsabkommen einerseits und sozial fragwürdigen Zeitarbeitsverträgen andererseits zu bewältigen. Wir
könnten uns aber stattdessen vorstellen, dass man dem möglichen Missbrauch eines abgeschafften
Kündigungsschutzes besser entgegen wirken kann, in dem man alle Unternehmen verpflichtet, die Öffentlichkeit
(etwa mittels eines zentralen Datenspeichers bei den Industrie- und Handelskammern) darüber zu informieren,
wie viele Mitarbeiter sie im Laufe der Jahre entlassen und eingestellt hat. Immerhin könnte sich so ja jeder
Stellenbewerber (und auch die Öffentlichkeit insgesamt) bereits im Vorhinein ein Bild davon machen, wie hoch
wohl die Fluktuation in einem bestimmten  Unternehmen ist, und wie dementsprechend wohl das Betriebsklima
dort sein muss. Dass dies für jedes Unternehmen einen Anreiz schaffen würde, in ihren Mitarbeiterbeziehungen
nicht in ein schlechtes Licht gerückt zu werden, scheint uns evident zu sein.

AE: Und ein solche Praxis würde reichen, um einer Hire-and-Fire-Kultur in den Betrieben Einhalt zu gebieten?
Nd: Wir meinen schon. Denn, wer in solchen Fluktuationsstatistiken schlecht abschneidet, dessen Image wird im
Markt so belastet sein, dass auch seine Geschäftstätigkeit darunter leiden würde.

AE: Nun gibt es ja Branchen, die von Hause aus einen hohen Umsatz in der Belegschaft haben. Denken wir etwa
an die Braubranche, die im Winter wenigstens einen Teil ihrer Belegschaft entlassen muss, um diese Phase
reduzierter Geschäftstätigkeit überstehen zu können. Würden solchen Branchen nicht durch die Veröffentlichung
einer Fluktuationsstatistik benachteiligt werden?
Nd: Richtig ist, dass die Realität in verschiedenen Branchen unterschiedlich ist. Dem könnte man aber dadurch
Rechnung tragen, dass die betreffende Statistik nicht nur die nackten Zahlen veröffentlicht, sondern die Leistung
des jeweiligen Unternehmens am (regionalen ?) Branchenmittelwert misst.

AE: Dennoch wird es bei solchen Statistiken immer Ungerechtigkeiten geben.
Nd: Natürlich. Aber auch ein staatliches Verbotsystem kann nicht allen Einzelfällen gerecht werden

AE: Nun ist das ja alles Wunschdenken. Kommen wir deshalb lieber zu dem soeben veröffentlichten Finanzcheck
der Stiftung Warentest zurück. Dazu hat sich Noah denkt™ ja bislang noch nicht im Speziellen geäußert
Nd: Sorry. Ja, wir finden auch diesen Finanzcheck gut. Denn wir sind immer begeistert, wenn es gelingt,
nachzuweisen, dass irgendwas nicht halb so toll ist, wie es sich selbst nach außen produziert.

AE: Aber ist es nicht unfair, jemanden für etwas so Schwammiges und Undurchsichtiges, wie es die
Anlageberatung nun mal ist, zu kritisieren. Immerhin wird es auf diesem Felde ja nie eine eineindeutig richtig bzw.
eineindeutig falsche Beratung geben können.
Nd: Es stimmt, dass die Anlageberatung ihrer Natur nach ein ziemlich chaotisches Feld ist. Dennoch wird man
auch hier erwarten müssen, dass man nicht etwas „Beratung“ nennt, was im Kern eine Verkaufstätigkeit ist.
Schließlich wird dabei doch der Sinn der Worte so sehr verdreht, dass man so viel Schindluder mit unserer
schönen deutschen Sprache nicht mehr gutheißen kann.

AE: Aber ist die schönfärberische Benutzung des Begriffs „Beratung“ nicht allenthalben üblich in der
Marktwirtschaft?
Nd: Sicher.
Allerdings sind es ja nicht zuletzt die Banken selbst, die für sich einen systemrelevanten Sonderstatus
reklamieren. Und so werden sich dieselben in diesem Fall denn auch nicht mit dem Hinweis auf die Usancen in
andere Branchen entschuldigen können.

AE: Noah denkt™ allerdings will den Banken diesen Sonderstatus aber gar nicht einräumen. Ist es daher fair,
ihnen diesen nun an dieser Stelle vorzuhalten?
Nd: Na ja, in der Frage des Finanzchecks ist es wohl eher das Selbstverständnis der Banken, welches die Latte
definiert, an dem man das betreffende Untersuchungsobjekt messen muss.

AE: So einfach ist?
Nd: Wir denken schon.

AE: Na, dann lassen wir es damit gut sein.
Nd: Ja, lassen wir es einstweilen dabei.   
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