Noah denkt™ -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Eine naive, populistische Politik ist ebenso schädlich
Dialog mit dem Alter Ego über die Libor-Manipulationsstrafe der EU, erstellt und veröffentlicht am 05.12.13
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Tagen hat die Europäische Union eine 1,7 Mrd. Euro-
Strafe gegen sechs internationale Finanzinstitute verhängt, die in den
Libor-Manipulationsskandal verwickelt
waren. Es ist die bisher höchste Strafe, die vom EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almuni ausgesprochen
wurde. In einer  Pressekonferenz zur Strafverkündung machte der EU-Repräsentant deutlich, dass sein
Vertrauen in die Integrität der Banken nach der Libor-Investigation noch mehr erschüttert sei, als vorher. Wie
beurteilt Noah denkt™ die jetzt verhängte Strafe?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Ohne Zweifel haben sich
die Banken bei der jahrelangen Manipulation der
Liborrate unehrlich verhalten. Und sicher ist eine gewisse Bestrafung deshalb auch angebracht. Wir fragen uns
allerdings auch, was schlimmer ist: Banken, die ein mangelhaftes System zu ihren Gunsten nutzen, oder
Politiker, die zu naiv sind, um die Mangelhaftigkeit dieses Systems, nämlich des Verfahrens beim Libor-Fixing,
rechtzeitig zu erkennen?

AE: Wieso ist das System zur Ermittlung der Liborrate mangelhaft?
Nd: Weil es darauf beruht, dass die Banken der British Banking Association jeweils diejenigen Zinssätze
übermitteln, zu denen sie bereit sind, oder wären, den übrigen Geschäftsbanken an diesem Tag Kredite zu
gewähren. Der entscheiden Punkt ist hier, dass nicht an jeden Tag derlei Interbank-Kredite bis zum Zeitpunkt
des Libor-Fixings nachgefragt werden. Bisweilen müssen hier also hypothetische Annahmen übermittelt
werden. Dass damit der Manipulation Tür und Tor geöffnet wird ist doch selbstverständlich.

AE: Kann sein! Aber das rechtfertigt doch noch lange nicht, dass die übermittelten Zahlen so frisiert werden,
dass sie auch den eigenen Derivatespekulationen entgegen kommen?
Nd: Na, ja. Wir leben nun mal in einer Welt,
wo auch Politiker ihre Doktorarbeit fälschen, um in ihrem Metier
weiter voran zu kommen. Da ist es nicht so ungewöhnlich nicht, wenn gewitzte Trader eine Lücke ausnutzen,
die ihnen das System selbst zur Verfügung gestellt hat.

AE: Noah denkt™ erwartet also, dass mit der Strafverkündung auch ein öffentliches Mea Culpa der Politik
verbunden ist?
Nd: Genau so!

AE: Nun kann man allerdings nicht von jedem Politiker erwarten, dass er über die Feinheiten des Libor-Fixings
informiert ist?
Nd: Die Finanzexperten unter den Politikern dürften derlei Einsichten aber schon gewonnen haben. Immerhin
tauschen sich selbige doch regelmäßig mit den Vorständen von Zentral- und Geschäftsbanken aus. Da müsste
es doch möglich sein, die entsprechende Information einzuholen.
Die Bank of England jedenfalls wusste sehr
genau, dass das Libor-Fixing nur bedingt aussagekräftig ist.

AE: Kann man die Sache nicht auch so sehen, dass es nun mal Systemfehler gibt, die erst dann in breitem Stil
verstanden werden, wenn dieselben auch tatsächlich virulent geworden ist?
Nd: Natürlich ist das so. Allerdings kann das kein Grund sein, dass sich die Politik nun aus der Verantwortung
für diesen Systemfehler zurück zieht. Denn ehrlicher wäre es, wenn sie ihr eigenes Versagen in dieser Sache
wenigstens anerkennt.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

Libor-Manipulationsskandal, Systemfehler beim Libor-Fixing, Glaubwuerdigkeit der Libor-Rate,
Stellenwert der Libor-Rate, hoechste EU-Strafe gegen Geschaeftsbanken, oeffentliches Entsetzen
ueber Libor-Manipulation,  Rolle der Politik im Libor-Manipulationsskandal
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