Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Wie toll wäre ein vereinter europäischer Dirigismus?
Dialog mit dem Alter Ego über den Kapitalismus in der EURO-Zone, erstellt und veröffentlicht am 22.06.2011
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    "Sie nennen sich eine Britin. Erlauben Sie mir – ich kann es nicht glauben, dass Sie eine Britin sind. Die
    freigeborene Tochter des freiesten Volkes unter dem Himmel - das auch zu stolz ist, fremder Tugend zu räuchern -  
    kann sich nimmermehr an fremdes Laster verdingen. Es ist nicht möglich, dass Sie eine Britin sind, - oder das Herz
    dieser Britin muss um so viel kleiner sein, als größer und kühner Britanniens Adern schlagen."
    Friedrich Schiller: Kabale und Liebe, 2. Akt, 3. Szene, (Ferdinand von Walter im Gespräch mit Lady Milford)


Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In einem unserer letzten Dialoge hat sich Noah denkt™ dafür
ausgesprochen, die aktuelle EURO-Krise dazu zu nutzen, den Sprung in eine gemeinsame Wirtschaftsregierung
zu wagen. Uns stellt sich diesbezüglich aber die Frage, ob ein solches europäisches Finanzministerium nicht dazu
führen wird, dass die Wirtschaftskultur in diesem vereinten Europa noch dirigistischer und unamerikanischer wird,
als sie dies ohnehin schon heute ist. Schließlich zeigt ja sowohl die Geschichte der Brüsseler Bürokratie, als auch
die Erfahrung der EU-Gipfel, dass die Dirigisten und Sozialinterventionisten darin noch stärker in der Mehrheit
sind, als sie dies bereits in unserem deutschen Obrigkeitsstaat der Fall ist. Kann man angesichts dieser Dynamik,
die so gar nichts mit dem amerikanischen Tellerwäschertraum zu tun, tatsächlich für eine weitergehende
Vereinigung Europas sein?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Sicher wird es für den nicht anerkannten Einzelkämpfer in einem vereinten
Europa noch schwerer sein, für voll genommen zu werden, als dies heute schon der Fall ist. Und doch müsste
man wohl angesichts der europäischen Geschichte in diesen sauren Apfel beißen.

AE: Sind die Lehren aus unserer europäischen Kriegsgeschichte in diesem Punkt wirklich so eindeutig, wie Noah
denkt™ dies vermutet? Kann es nicht auch sein, dass es gerade die nationale Verschiedenheit ist, die dem
europäischen Projekt die Würze gibt? Und wird man diesen Multi-Kulti-Salat nicht eher dadurch fördern können,
dass man sich diese Vielfalt bewahrt, anstatt sie mit immer neuen Vereinigungsbemühungen weiter
einzustampfen?
Nd: Na, ja die Praxis der Währungsschlange mit ihren stets neu erzwungenen Abwertungen hat doch gezeigt,
dass es auf Dauer im Nebeneinander wohl auch nicht geht. Immerhin hat’s ja da auch sehr viel böses Blut
gegeben, weil die D-Mark für den Rest der europäischen Währungen einfach zu stark gewesen ist.

AE: In einem gemeinsamen Finanz-Europa aber wird es so sein, dass gerade diejenigen, die am meisten für
Selbstbestimmung und Freiheit eintreten, den größten Preis für diese Einheit werden zahlen müssen. Ist Noah
denkt™ dazu wirklich bereit?
Nd: Natürlich träumen wir davon, uns dieser Realität, etwa durch Auswanderung, zu entziehen. Natürlich wissen
wir, dass es nicht angenehm werden wird, wenn es eines Tages tatsächlich zu einer unheiligen Allianz der
europäischen Herrenreiter einerseits, mit der Internationalen der rot-grünen Besserwisser andererseits kommt.
Und doch ist die schreckliche Wahrheit, dass der gegenwärtige deutsche Dirigismus gar nicht so viel besser ist,
als dass man ihn jetzt noch um jeden Preis würde verteidigen müssen.

AE: Mit anderen Worten,
Noah denkt™ optiert hier erneut für die neurotische Opferbereitschaft, die es anderer
Stelle schon zum Programm erhoben hat?
Nd: Na, ja, wenn man uns in der angelsächsischen Welt tatsächlich ein konkretes Angebot machen würde, dem
man so etwas wie eine vernünftige Perspektive attestieren könnte, dann würden wir dieses Angebot durchaus
annehmen wollen. Auch unsere "neurotische" Opferbereitschaft hat also durchaus ihre Grenzen.

AE: Fakt aber ist, dass es ein solches Angebot nicht gibt, dass es wohl auch niemals kommen wird, und
das am
Ende nur die Selbstfolter bleibt, von der Noah denkt™ anderswo bereits gesprochen hat. Kann das vernünftig
sein?
Nd: Wir hoffen es nach wie vor.

AE: Aber Hoffnung, und das wissen wir spätestens seit Afghanistan, ist doch keine Strategie?
Nd: Nun, immerhin ist es eine Hoffnung, die sich immer wieder ihren Zweifeln und  Gegenargumenten stellt. Ganz
so an den Haaren herbei gezogen, kann sie demnach nicht sein.

AE: Und doch ist sie dadurch nicht begründet?
Nd: Begründet ist sie schon. Nur, ob sie belastbar ist, das wird sich erst noch zeigen müssen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

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Kapitalismus in der EURO-Zone, europäischer Obrigkeitsstaat, angelsächsischer Kapitalismus,
Tellerwäschertraum in Europa, europäische Wirtschaftsregierung, Folgen einer europäischen
Wirtschaftsregierung