Noah denkt™ - Die Magie eines ausgewogenen Denkens
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Deutschland rückt einstweilen näher an das britische Europaverständnis heran
Dialog mit dem Alter Ego über die Erschöpfung im fünften Jahr der Eurokrise, erstellt und veröffentlicht am
05.07.15
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (Nd): Einen Tag bevor Griechenland sich zwischen „Nai“ und „Oxi“
wählt, hat sich die Alternative für Deutschland entscheiden müssen,
ob sie lieber deutschnational (Petry) oder
wirtschaftsliberal (Lucke) sein will. Die Entscheidung gestern ist für Petry gefallen. Die Entscheidung im
Griechenland-Referendum wird vielleicht sogar in einem „Nai“, also in einem
Votum gegen den gegenwärtigen
Tsipras-Kurs enden. Wie dem auch sei, es ist wohl die wichtigere Frage, ob es ein Zufall ist, dass beide
Entscheidungen fast auf den gleichen Tag herbeigeführt werden?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wahrscheinlich nicht! Wahrscheinlich versteckt sich dahinter eine Symbolik,
dessen volles Ausmaß wir jetzt noch nicht ermessen können.

AE: Was könnte denn dahinter stecken?

Nd: Nun, wir vermuten, dass Deutschland im fünftem Jahr der Eurokrise begriffen hat, dass der alte Traum
einer politischen Union in Europa, mit so viel Minderung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit einhergeht, dass
unser Land – wenigstens aktuell - keine Lust mehr an einer Vertiefung der Union hat.  

AE: Welchen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit hat der Euro für Deutschland gebracht? Ist nicht gerade das
Gegenteil eingetreten? Immerhin hat Deutschland seine wirtschaftliche und politische Macht mit dem Euro
erheblich stärken können.

Nd: Es mag sein, dass Deutschland innerhalb des Euroraumes eine gute Wettbewerbsfigur abgibt. Aber in
einem globalen Wettbewerb reicht es nicht, sich an Slowenien oder Portugal zu orientieren. Hier wird man auch
mit Tigerstaaten anderswo konkurrieren müssen. Und dazu kann es nicht hilfreich sein,
wenn man seine
Währung weicher vorfindet, als man sie eigentlich braucht. Und ebenso kann es nicht gut sein, wenn man sich
stets mit sozialistischen Umverteilungsthesen herumschlagen muss, die man bei sich zu Hause schon längst
(wenigstens weitgehend) ad acta gelegt hat.  Anders gesagt, der Euro hat allen Beteiligten geholfen, zu
verstehen, wie unterschiedlich die sozio-kulturellen Orientierungen im Euroraum eigentlich sind. Und so ist es
nur verständlich, wenn sich jetzt auch Deutschland der alten britischen Interpretation annähert, wonach die EU
eher ein loser Freihandelsraum, als eine politische Union sein soll.

AE: Eine solche, subkutane Veränderung der deutschen Position, wenn es sie denn tatsächlich gibt, würde
allerdings gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Denn nicht nur würde sie das mittelfristige Aus des
Euros bedeuten, - nein, auch
die Gefahr der diplomatischen Isolation Deutschlands, die gerade unser Projekt
immer wieder analysiert hat, würde überproportional steigen.

Nd: Das ist absolut richtig erkannt. Deshalb wird Deutschland in Zukunft nicht vollends eine britische Linie
fahren können, sondern stattdessen einen Balanceakt antreten müssen, der etwa folgendermaßen strukturiert
sein wird: Man wird darauf setzen, dass die
Überwachung der nationalen Budgets durch die EU Kommission
einerseits und der ESM andererseits einigermaßen funktionieren. Man wird weiter in der EU so mitarbeiten, als
sei nichts geschehen.
Allerdings wird man kein großes Interesse daran haben, weitere Finanz- und
Haushaltskompetenzen nach Brüssel zu übertragen. Mit anderen Worten, man wird bis auf weiteres ohne
große Emotion den Status quo verwalten, und darauf setzen, dass sich die Zukunft von selbst weisen wird.

AE: Das klingt nach einem allmählichen Siechtum der EU?

Nd: Ein Siechtum, das gleichwohl in eine sofortige Wiederbelebung übergehen kann, wenn geostrategische
Veränderungen hier oder anderswo dies verlangen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

Deutschland wird deutschnationaler, Veränderung in der Haltung Deutschlands zur
Europäischen Union, nationale Befindlichkeit in der Eurokrise, Verminderung der
Wettbewerbsfähigkeit durch weiche Währung, sozialistische Strömungen im Euroraum