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Herr Prof. Sinn: Europa kann nur wurschteln!
Anmerkungen zur wirtschaftsliberalen Kritik am ESM-Rettungsschirm,  erstellt und veröffentlicht am 13.09.2012
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Kriege im heutigen Euroland seit dem 17 Jahrhundert
 
1618 -1648          Dreißigjähriger Krieg
1654 – 1660        Schwedisch-polnischer Krieg
1663 – 1699        Erster und zweiter großer Türkenkrieg
1672- 1678          frz. Krieg gegen die Niederlande
1688 – 1697        Pfälzischer Krieg
1700 – 1721        Der Nordische Krieg
1701 – 1713/14  Spanischer Erbfolgekrieg
1733 – 1735        Polnischer Thronfolgekrieg
1740 – 1748        Österreichischer Erbfolgekrieg
(1740-42                 1.Schles. Krieg, 1744-1745; 2. Schles. Krieg)
1756 – 1763        Siebenjähriger Krieg
1772-1795           Aufteilung Polens
1792-1797        Erster Koalitionskrieg
1799 -1802       Zweiter Koalitionskrieg
1805                   Dritter Koalitionskrieg
1806-1807         Vierter Koalitionskrieg
1809                   Fünfter Koalitionskrieg
1813 – 1815     Befreiungskriege
1853 – 1856     Krimkrieg
1864                   Deutsch-Dänischer Krieg
1866                   Deutscher Krieg
1870-1871        deutsch-französischer
Krieg
1914-1918        Erster Weltkrieg
1939 – 1945     Zweiter Weltkrieg
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn,

Ihre Kritik an der europäischen Euro-Rettungspolitk (
ESM, Staatsanleihekaufprogramm der EZB, Six Pack-Regeln,
Troika-Intervention etc.), die Sie am 12.09 in der ARD-Talk Show „Anne Will“ geäußert haben, veranlasst uns zu
folgendem Einwurf:

Natürlich es richtig, dass die von der Politik verabschiedeten Maßnahmen zur Euro-Rettung die Funktionsweise
des freien Marktes gewissermaßen auf den Kopf stellen. Und sicher kann man nicht ausschließen, dass auch die
größten Bemühungen der Euro-Staatsbürokratie, dem freien Markt den Schneid abzukaufen, am Ende
dramatisch scheitern werden. Und dennoch wird man bei nüchterner Betrachtung zu dem Ergebnis kommen
müssen, dass
die europäische Geschichte von so vielen Vergangenheitstraumas behaftet ist, dass es
schlechterdings unmöglich ist, von diesem geschundenen Kontinent die Fähigkeit zu erwarten, die reine Lehre
der freien Marktwirtschaft in ihren Gefilden umzusetzen. Ja, wer sich die Geschichte der Welt genau ansieht, wird
sogar feststellen können, dass
nicht mal die vergleichsweise Trauma - freien Vereinigten Staaten von Amerika in
der Lage sind, die reine, ökonomische Freiheitslehre innerhalb ihrer Grenzen umzusetzen. Denn auch hier wird
munter von allen Staatsinstanzen kontrazyklisch eingegriffen, sobald auch nur der geringste Anschein droht, als
ob die Binnenkonjunktur einbrechen könnte.

Wer sich aber eine Vorstellung davon machen will, wie groß die psychologischen Schockstarren in Europa
eigentlich sind, der wird sich nur vor Augen führen müssen, dass es Frankreich (und
z. T auch Großbritannien),
selbst zu dem Zeitpunkt, da die nationale Sicherheit doch durch den atomaren Schutzschild über Europa
gesichert war, nicht geschafft hat, die deutsche Wiedervereinigung hinzunehmen,  ohne dafür einen
entsprechenden Gegenwert in Form des Eurobeitritts zu verlangen. Denn nach wie vor spukt in unseren
Nachbarländern die Vorstellung herum, wonach ein unabhängiges Deutschland schlichtweg zu groß und mächtig
ist, um nicht das Gleichgewicht der Kräfte auf dem europäischen Kontinent nachhaltig stören zu müssen.

Wenn es aber so ist, wie es ist, und in unseren Breiten nach wie vor das Gefühl einer möglichen Bedrohung so
ausgeprägt ist, wie das soeben dargelegt wurde, dann ist es unvorstellbar, dass in diesem Umfeld eine wirklich
freie Marktwirtschaft überhaupt funktionieren kann. Denn damit letztere ihr wahre Kraft entfalten kann, da wird es
zunächst einmal nötig sein, dass
man die Abwesenheit von Protektion nicht fürchtet, sondern gerade darin die
Chance erkennt, nach eigener Fasson selig werden zu können. Dieser Wunsch nach einer nicht bevormundeten
Freiheit aber, der wird in Europa weder von der orthodoxen, noch von der katholischen Kirche gepredigt. Und
schon gar wird er von Gewerkschaften, Linken und sozialen Sicherungsfetischisten gelebt. Wie also, so stellt sich
uns zum Schluss die Frage, soll es in einer solchen Kultur möglich sein, dass man Länder wie Spanien oder
Italien in die Pleite gehen lässt (Griechenland ist wie gesagt ein anderer Fall), ohne dass selbiges zu größten
Verwerfungen und Panikreaktionen in unseren Breiten führen wird?

Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird erkennen müssen, dass der europäische Kontinent viel
zu kompliziert ist, als dass man sich in diesem Minenfeld anders, als mit einem Durchwursteln würde bewegen
können.  Und so wird man mit der Euro-Politik auch gar nicht so kritisch sein müssen. Denn zu sehr würde man
die Gegebenheiten dann verkennen müssen, als dass man das Machbare jetzt noch wird erreichen können.  

Mit freundlichen Grüßen


Ihr Noah denkt™-Projekt     
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte:

Euro-Krise, wirtschaftsliberale Kritik am Euro-Rettungsschirm, Kritik am
Staatsanleihekaufprogramm der EZB, Wirtschaftsliberalismus in Europa,
Machbarkeit von Wirtschaftsliberalismus, Marktwirtschaft und Staatsintervention, Angst vor Abwesenheit von
Protektionismus, Prof Sinn, ESM-Entscheidung in Karlsruhe, Kritik am ESM-Rettungsschirm
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