Ist es nicht eine Perversion des kategorischen Imperativs, diesen dazu zu nutzen, den eigenen, materiellen Profit zu
maximieren. Denn zu sehr geht es dem Weg der Mitte doch darum, dem Frieden zu dienen, als dass man diesen jetzt noch für
die irdische Reichtumsanhäufung wird missbrauchen können?
In der Tat ist es richtig, dass ein wahrer Frieden und eine ehrliche Vernunft ohne eine materielle Genügsamkeit des Suchenden
nicht zu finden sind. Und doch wird man aus dem Genügsamkeitsgebot nicht sogleich auch schließen können, dass ein aufrechter
Kantianer mithin nicht an einer maximalen materiellen Wertschöpfung interessiert sein darf. Denn zu sehr wird es doch auch ihm
noch darum gehen müssen, dass die irdischen Ressourcen so effizient, wie möglich, genutzt werden, als dass er sich dem
materiellen Gewinnstreben jetzt noch wird entziehen müssen.
Nein, wenn es etwas gibt, was von einem ehrlichen Kantianer erwarten muss, dann ist es dies, sich an seinem materiellen Profit
nicht übermäßig selber zu bereichern, sondern gerade diesen auch der weiteren Wertschöpfung wieder zur Verfügung zu stellen.
Denn nur so wird er damit dem allgemeinen Wohlstand auch tatsächlich dienen können. Und so wird er sich diesen in diesem Fall
tatsächlich auch erhalten können. Denn zu sehr wird es ihm nun um die Ausgewogenheit gegangen sein, als dass er seinen
Nutzen jetzt nicht auch wird mehren können.
Mit anderen Worten, der Unterschied zwischen einem aufrechten Kantianer und einem eindimensionalen
Eigennutzunersättlichen besteht nicht darin, wie viel Besitz einer zur Verfügung hat, sondern darin, wie viel er von diesem
Besitz für sich selber braucht, um damit seinen persönlichen und alltäglichen Frieden finden zu können?
So ist es. Denn die Tatsache, dass einer über allerlei Vermögen verfügt, die wie wird ja noch nicht bedeuten müssen, dass er
damit mithin auch selbstsüchtig und egozentrisch umgehen muss. Vielmehr wird dieser Umstand auch bedeuten können, dass er
nun einen noch größeren Aufwand betreiben muss, um die eigenen Möglichkeiten tatsächlich auch konstruktiv und wertsteigernd
zu nutzen. Denn zu groß ist die Verantwortung, die dem Betreffenden daraus jetzt erwächst, als dass er derselben noch würde
gerecht werden können, wenn er sich ihr nicht mit einer philosophischen Hingabe würde widmen wollen.
Wenn dem aber so ist, wie hier gesagt, bedeutet dies dann nicht auch, dass auch ein Kantianer letztlich materiell unersättlich
ist? Denn immerhin scheint es doch auch für ihn kein Limit in der Frage der Besitzanhäufung zu geben? Und so wird doch auch
er an einer immer größeren materiellen Wertschöpfung interessiert sein müssen?
Ja, man wird es nicht leugnen können, dass auch der Kantianer in gewisser Weise unersättlich ist. Aber wird man ihm dies zum
Vorwurf machen können, wenn auch die, die nach dem Himmel streben, sich mit dem irdischen Frieden nicht begnügen können?
Denn zu sehr wird man doch auch diesen Zeitgenossen eine Unersättlichkeit attestieren können, als dass man dieselbe jetzt noch
unserem Kantianer wird ankreiden können.
Sicher ist es richtig, dass auch der Suche nach dem ewigen Frieden eine irdische Ungenügsamkeit zu Grunde liegt. Aber
wenigstens handelt es sich dabei um eine immaterielle Unersättlichkeit. Und so wird man der Letzteren also auch nicht
vorwerfen können, dass sie sich einer Verhaftung im Materiellen schuldig macht. Denn zu sehr hat sie dieses Materielle doch
überwunden, als dass man sich jetzt noch vor ihr Ungenügsamkeit wird fürchten müssen. Diese materielle Verhaftung aber,
die wird die hier beschriebenene kantische Wertmaximierungsphilosophie niemals überwinden können. Denn zu sehr geht es
ihr doch um diese Welt , als dass sie die jenseitige jetzt noch wird erreichen können?
Nun, dazu ist zu sagen, dass, wenn die kantische Mittelwegssuche tatsächlich der Ausdruck einer irdischen Sucht wäre, nun dann
würde sie sich selbst gar nicht mit der beinahesuizidalen Entschlossenheit betreiben können, die sie in ihrer Arbeit tagtäglich an
den Tag legt. Denn zu sehr wäre ihr am eigenen irdischen Verbleib doch dann noch gelegen, als dass sie diesen jetzt noch so
ohne weiteres würde riskieren können.
Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird erkennen müssen, dass bei unserem Ansatz von einer Verhaftung im
Materiellen keine Rede sein kann. Denn zu sehr hat man sich der Vernunft selber doch überantwortet, als dass man darin jetzt
noch eine Selbstsucht wird erkennen können.
Stattdessen wird man zu dem Ergebnis kommen müssen, dass gerade diejenigen, die den Wert des Materiellen nicht
angemessene zu sehen verstehen, das eindimensionale Nutzdenken noch gar nicht überwunden haben. Denn zu sehr scheint es
ihnen doch zuerst um den eigenen Frieden zu gehen, als dass sie dem der anderen jetzt noch gut genug werden dienen können.
Trotzdem, ist es nicht ein Fehler, den Weg der Mitte überhaupt auf den Kapitalismus übertragen zu wollen. Denn zu sehr geht
es dem Ersteren doch darum, den absoluten, jenseitigen Frieden zu erreichen, als dass man diesen jetzt noch zur
irdisch-materiellen Mehrwertschaffung wird nutzen dürfen?
Nein, ein Fehler ist es nicht. Denn in der Tat wird man den erhofften, absoluten Frieden im Jenseits doch sicher nicht ohne ein
konsequentes Bemühen um den irdischen Frieden erreichen können. Denn zu sehr wird es doch gerade die angemessene
Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse sein, die eine vernünftige Kontemplation des Jenseits überhaupt erst möglich macht,
als dass man sich jetzt noch eine Verdrängungen seiner materiellen Notwendigkeiten wird erlauben können.
Nein, wer den ewigen Frieden finden will, der wird gerade das Materielle in dieser Welt auch vernünftig managen müssen. Denn zu
sehr wird es gerade die Ehrlichkeit im Ökonomischen sein, die den Weg des Ausgleichs weisen muss, als dass man sich dieser
Friedenssuche jetzt noch wird enthalten können.
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